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Lausitzer Dschihad-Braut droht Prozess im Irak

Das Ortseingangsschild von Pulsnitz (Sachsen), aufgenommen am 22.07.2017. In der einstigen IS-Hochburg Mossul haben Spezialeinheiten auch bewaffnete Ausländerinnen gefasst. Nach Berichten über die Festnahme einer 16-Jährigen aus Sachsen wurde die Deutsche nun identifiziert. Sie stammt aus Pulsnitz bei Dresden.
Das Ortseingangsschild von Pulsnitz (Sachsen), aufgenommen am 22.07.2017. In der einstigen IS-Hochburg Mossul haben Spezialeinheiten auch bewaffnete Ausländerinnen gefasst. Nach Berichten über die Festnahme einer 16-Jährigen aus Sachsen wurde die Deutsche nun identifiziert. Sie stammt aus Pulsnitz bei Dresden. FOTO: Sebastian Willnow (dpa-Zentralbild)
Pulsnitz/Bagdad. Dass der 16-jährigen Linda aus Pulsnitz ei Prozess droht, wird ihr seit der Ergreifung durch irakische Truppen in den Tunneln von Mossul klar gewesen sein. Nun zeichnet sich aber ab: Dieser Prozess wird im Irak stattfinden. Was droht der deutschen IS-Anhängerin dort? dpa/bob

Vier im Irak festgenommenen deutschen Anhängerinnen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) droht ein Prozess in Bagdad. Gegen die Frauen, darunter die Schülerin Linda aus Sachsen, habe die irakische Justiz ein formelles Strafverfahren eröffnet, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Montag unter Berufung auf Diplomaten.

Die vier Frauen seien in den vergangenen Jahren aus Deutschland in den Irak gezogen, hätten sich dem IS angeschlossen und Kämpfer der Miliz geheiratet. Was die irakische Justiz den Frauen genau vorwerfe, sei bisher nicht bekannt. Möglich erscheine eine Anklage wegen Terrorismus oder Mitgliedschaft beim IS. Die Frauen wurden Mitte Juli von irakischen Streitkräften bei der Befreiung Mossuls festgenommen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts hatte bereits im Juli in Berlin gesagt, er glaube nicht, dass den mutmaßlichen Dschihadistinnen ein Prozess drohe, "an dessen Ende die Todesstrafe stehe". "Ich kann das nicht hundertprozentig ausschließen, ich halte das aber für höchst unwahrscheinlich."

Der 16-jährigen Linda aus Pulsnitz hätte vermutlich ohnehin ein Prozess gedroht. Die Staatsanwaltschaft in Dresden ermittelt seit ihrem Verschwinden vor einem Jahr, auch wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Nach dem Auftauchen der Vermissten im Irak waren die Ermittlungen wieder aufgenommen worden.

Das Verschwinden der damals 15-Jährigen hatte im Sommer 2016 für Aufsehen in Ostsachsen gesorgt. Die Schülerin war kurz zuvor zum Islam konvertiert. "Es ist leider so, dass sie von irgendjemand geworben worden ist und eine richtige Gehirnwäsche gekriegt hat", sagte die Mutter damals. Linda W. soll über Internet-Chats mit IS-Anhängern in Kontakt gestanden haben. Die Staatsanwaltschaft in Dresden ermittelte gegen sie wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Angeblich war das Mädchen nach Istanbul gereist. "Ich hoffe, dass sie noch in der Türkei ist und dass sie uns helfen können, sie da wieder rauszuholen", so die Mutter im Sommer 2016.

Neben Linda setzten irakische Soldaten auch eine 50-jährige Deutsche mit marokkanischen Wurzeln aus Mannheim mit ihrer 20-jährigen Tochter fest. Ebenso wurde eine in Tschetschenien geborene Deutsche festgenommen. Welche Rolle die Deutschen innerhalb des IS spielten, wissen die Behörden noch nicht, wie es heißt. Sie sollen aber nicht in militärische Strukturen oder in den Sicherheitsapparat des IS eingebunden gewesen sein.

Nach früheren Angaben bemühen sich deutsche Behörden, die Frauen nach Deutschland zurückzuholen. Gegen die vier ermittele auch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrororganisation IS. Nach "Spiegel"-Informationen konnte sie mittlerweile der Bundesnachrichtendienst in Bagdad vernehmen, auch das Bundeskriminalamt dringe auf einen Besuch bei den Gefangenen.