Ein weiterer, 51-jähriger Tatverdächtiger wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Er war am Mittwoch im Zuge einer Razzia in der Cottbuser Nachtbar „Life“ verhaftet worden.
Ralf-Peter S., dem vorgeworfen wird, siebenmal als Kurier große Mengen Ecstasy-Tabletten in die USA geschmuggelt zu haben, war nach Angaben seines Anwalts Klaus A. Linten V-Mann der Polizei und soll in der Rauschgiftszene eingesetzt gewesen sein. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Polizei über meinen Mandanten, der V-Mann der Polizei war, in die Sache involviert war“ , erklärte Linten.
Staatsanwalt Olaf Jurtz bestätigte gegenüber der RUNDSCHAU, dass der mutmaßliche Lausitzer Drogendealer von Juli 2002 bis Anfang 2003 Informant der Polizei war. Diese hat ihn allerdings als V-Mann abgeschaltet, weil sich S. als unzuverlässig erwies und im Verdacht stand, Straftaten begangen zu haben. Offensichtlich habe er gehofft, als V-Mann unter dem Schutz der Kripo unbehelligt zu bleiben.

Dreister Wunsch
Diese Vermutung liegt nahe angesichts mancher Dreistigkeit, die der mutmaßliche Rauschgifthändler an den Tag legte. So berichtete er in seiner Zeit als V-Mann von Straftaten, die er wahrscheinlich selbst begangen hatte. Auch die Umstände seiner Verhaftung muten abenteuerlich an. Just in dem Moment, als sich Staatsanwalt Jurtz und Polizeibeamte auf den Weg nach Berlin machen wollten, um den von ihnen dort vermuteten Ralf-Peter S. zu verhaften, stand dieser in der Tür des Ermittlers. Er wollte von der Staatsanwaltschaft die Genehmigung haben, einen mutmaßlichen Komplicen in der U-Haft zu besuchen. „Ich habe ihn gleich in meinem Dienstzimmer festnehmen lassen“ , so Staatsanwalt Olaf Jurtz zu dieser ungewöhnlichen Situation.

Suche nach dem Vermögen
Wie hoch der kriminelle Gewinn der Ecstasy-Händler tatsächlich ist, können Staatsanwaltschaft und Kripo noch nicht sagen. Sie gehen davon aus, dass mindestens 1,4 Millionen Ecstasy-Tabletten mit einem Verkaufswert von 35 Millionen US-Dollar nach Miami geschmuggelt wurden. Wahrscheinlich ist die Menge noch bedeutend höher. Die sieben Drogenkuriere aus Cottbus, die inzwischen in den USA und Spanien zu Freiheitsstrafen von knapp vier bis zu neun Jahren verurteilt sind, wurden lediglich durch Zufallskontrollen entdeckt.
Um das Vermögen aus den Straftaten zu sichern, sind inzwischen Bankkonten und Aktienfonds der Tatverdächtigen, die zum größten Teil Arbeitslosengeld kassierten, gepfändet. Eingeschaltet ist auch die rumänische Polizei. Cottbuser Staatsanwaltschaft und brandenburgisches Landeskriminalamt haben Erkenntnisse, dass die Gewinne in Gaststätten wie die Pizzeria in Cottbus-Sielow und in Immobilien in Rumänien investiert oder auf Bankkonten deponiert wurden.
Den Hauptbeschuldigten drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen zwischen fünf und 15 Jahren.