Heiko Terno, Geschäftsführer der Agrargemeinschaft Klein Radden bei Lübbenau und Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, ist zufrieden. "Wir haben mit einer kleinen Fläche angefangen, werden aber im nächsten Jahr kräftig aufstocken", kündigt er an. Das Geschäft mit dem Tochterunternehmen des Energiekonzerns Vattenfall sei eine echte Alternative für die Nutzung schwieriger Flächen.

Das Tochterunternehmen heißt Energy Crops GmbH und soll Biomasse heranschaffen, besonders für ein neues Heizkraftwerk in Berlin. Der Weg dorthin führt über "Kurzumtriebsplantagen" (Kup). Das sind Landwirtschaftsflächen, auf denen in akkuraten Reihen Pappeln oder Weiden als Stecklinge in den Boden kommen.

Die schnellwüchsigen Bäume werden alle zwei bis drei Jahre mit Maschinen "geerntet" und zu Holzhackschnitzeln verarbeitet. Aus dem Wurzelballen treiben sie wieder aus. 20 Jahre lang kann so eine Baumplantage Biomasse liefern.

Über diese Zeit schließt Energy Crops mit den Landwirten Bewirtschaftungsverträge. Deren Aufgabe besteht vor allem darin, den Boden zwischen den Baumreihen zu lüften und das Unkrautwachstum im Zaum zu halten. Dafür stellt das Vattenfall-Tochterunternehmen den Bauern spezielle Technik zur Verfügung, die genau in die Pflanzreihen passt.

Das Pflanzen der teuren Setzlinge übernimmt die Energy Corps GmbH selbst. Die Landwirte bekommen jährlich feste Zahlungen für ihre Pflegearbeit und die Bodennutzung. Die Bauern gehen damit kein wirtschaftliches Risiko ein und können kleine, schwer zugängliche oder sehr ertragsarme Böden damit verwerten. Ihr Nachteil ist die lange vertragliche Bindung über 20 Jahre.

Doch das Holzgeschäft scheint für Landwirte immer attraktiver zu werden. In Brandenburg hat Energy Corps inzwischen die 1000-Hektar-Marke bei den Bewirtschaftungs-Verträgen geknackt. Ein Schwerpunkt ist dabei die Spreewald-Region. Weitere 300 Hektar Kup-Flächen hat das Unternehmen in Polen unter Vertrag.

Unter den rund 50 Partnerbetrieben in Brandenburg sind kleine und große Agrarunternehmen, konventionell wirtschaftende Bauern und Ökolandwirte. Doch das 2010 gestartete Unternehmen Energy Crops hat größere Pläne. "Wir brauchen 3000 Hektar Fläche, um 30 000 Tonnen Holz pro Jahr zu erzeugen", nennt Firmenchef Jan Grundmann das Expansionsziel.

Die dafür noch fehlenden 1700 Hektar sollen in Brandenburg gefunden werden. Und Grundmann ist optimistisch, dass das bald gelingen wird.

Denn eine über viele Jahre sichere Belieferung mit Holzpellets sei die wirtschaftliche Grundlage für ein Biomasse-Heizkraftwerk, wie es Vattenfall gerade im Norden von Berlin errichtet, so Grundmann. Mit 18 Megawatt Heizleistung sollen dort 30 000 Wohnungen, Betriebe und öffentliche Einrichtungen im "Märkischen Viertel" in Reinickendorf versorgt und bis zu fünf Megawatt Strom ins Netz geschickt werden.

Der Bau der Anlage ist Teil einer Klimaschutzvereinbarung zwischen Berlin und dem Energiekonzern Vattenfall. Durch den nachwachsenden Bio-Brennstoff sollen Tausende Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid pro Jahr in der Luft vermieden werden.

2010 hatte Vattenfall für die Hauptstadt noch viel größere Pläne zur grünen Strom- und Wärmeproduktion. Damals sollte das alte Braunkohlekraftwerk Klingenberg im Ostteil der Stadt durch zwei Biomasse-Anlagen abgelöst werden. Diese hätten pro Jahr jedoch etwa 500 000 Tonnen Brennstoff benötigt.

Um diese Menge auf Pappelplantagen zu erzeugen, wären 50 000 Hektar Fläche nötig, ein Gebiet, so groß wie der Bodensee. Deshalb plante Vattenfall damals, einen großen Teil des Brennstoffes aus dem westafrikanischen Liberia herbeizuschaffen. 2012 wurde der Plan jedoch aufgegeben. Das Kraftwerk Klingenberg soll jetzt einen Ersatzbau mit Gasturbinen erhalten.