Zusammen mit Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) ließ sich Plat-zeck über ein Projekt informieren, das im Mai diesen Jahres vor allem von der Geschäftsführung des Klinikum Niederlausitz gestartet wurde und inzwischen landesweit als Modell gilt. Ziel ist es, möglicht jeder Familie mit neugeborenen Kindern bei der Erziehung zu helfen. Dafür setzen die Verantwortlichen in Lauchhammer weniger auf professionelle Strukturen als viel mehr auf die ehrenamtliche Mitarbeit aus der Einwohnerschaft. Und dieses Konzept scheint nach der ersten Bilanz auch aufzugehen. Um 136 Familien mit neugeborenen Kindern kümmern sich in einer ersten Welle 47 Frauen als sogenannte Patinnen. Die haben sich alle freiwillig gemeldet und sind offensichtlich begeistert bei der Sache. Drei Jahre lang sollen die freiwilligen Helferinnen, die dafür ausführlich geschult wurden, Mütter und Väter begleiten, beraten, notfalls ihnen auch mal ins Gewissen reden. Das Projekt ist vor allem auf Hilfen im Alltag von Familien ausgerichtet und nicht etwa die Antwort auf schlagzeilenträchtige Fälle von Kindesmisshandlungen. Es gehe darum, Eltern bei dem weitverbreiteten Gefühl der Überforderung zur Seite zu stehen.
Inzwischen nehmen in Lauchhammer fast zwei von drei Familien, die Zuwachs erwarten, dieses Angebot an. Möglichst alle zu erreichen, ist das Ziel der Initiative, die vom Elan der Klinikchefs lebt. "Wir wollen damit Aufbruchstimmung verbreiten", sagt Hendrik Karpinski, einer der Geschäftsführer. Langfristig gesichert werde solch ein Projekt nur von dem in den Kommunen verankerten Willen zur Veränderung. Obwohl inzwischen Dutzende von Menschen aus der Region mitarbeiten, kommt das Netzwerk mit bescheidenen Mitteln - 2006 mit etwa 125 000 Euro - aus und hat nur eine festangestellte Mitarbeiterin. Es bemüht sich nicht nur um Geld aus den öffentlichen Haushalten, sondern auch um private Sponsoren. So werden auch Geschenke möglich, mit denen Familien nach der geburt überrascht werden. Dazu zählt beispielsweise neben einem Fieberthermometer für Kinder auch ein Wellnessgutschein für die Mutter.
In Lübbenau stellte Ministerin Ziegler ein anderes vor, mit dem der weiteren Verschlechterung der ärztlichen Versorgung in Brandenburg begegnet werde soll. Drei Krankenschwestern arbeiten dort jetzt in engem Verbund mit Hausärzten. Sie sollen die Mediziner vor allem bei den Hausbesuchen entlasten. Die meisten Arbeiten, die dort heute der Hausarzt hat, könnten auch an Krankenschwestern delegiert werden.
Darüber hinaus kümmern sich die Schwestern darum, dass der Medikamentenvorrat und -verbrauch von Patienten nicht zum gesundheitlichen Risiko wird. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Ratschlägen zur Vermeidung von häuslichen Unfällen. Das Projekt wird derzeit aus Mittel des Sozialfonds der EU finanziert und wissenschaftlich begleitet.