November 2004, Landgericht Cottbus: Neun Jahre Haft - das Urteil trifft den Reitlehrer aus Finsterwalde (Elbe-Elster) hart. “Mit Menschenverachtung und großer Dreistigkeit„, begründet der Vorsitzende Richter, habe der Mann in sieben Jahren 20 Mädchen und einen Jungen auf seinem Reiterhof sexuell missbraucht, einige gar vergewaltigt.

Der Verurteilte beschließt, Revision einzulegen. Tatsächlich beanstandet der Bundesgerichtshof (BGH) das Strafmaß ein Jahr später. Das Landgericht Cottbus mildert es nach erneuter Verhandlung ab auf sechs Jahre Haft.

Damals schien es so, als hätte der Straftäter einen redlichen Pflichtverteidiger an seiner Seite gehabt, der ihn gut vertritt. Erst Jahre später wird offenkundig, dass dem nicht so war: Der Reitlehrer, inzwischen entlassen, zeigt seinen ehemaligen Anwalt an. Ende Juni vergangenen Jahres wird der Jurist vor dem Cottbuser Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt. Der Grund: Er habe versucht, von seinem Mandanten 3000 Euro zu erpressen. Sonst, so seine Drohung damals, lege er keine Revision ein. Als der Verurteilte ablehnte, ging der Anwalt zu dessen Mutter und Bruder, versuchte bei ihnen an das Geld zu kommen.

Geldstrafe aufgestockt

“Das ist versuchte Erpressung und versuchter Betrug„, bestätigt eine Sprecherin des Landgerichtes Cottbus. Ein Pflichtverteidiger werde vom Staat bezahlt, erklärt sie. Er habe auf Wunsch seines Mandanten Revision einzulegen, ohne dafür von ihm noch extra Geld zu verlangen.

Das Landgericht hatte den Fall am Donnerstag vergangener Woche vor der Berufungskammer erneut verhandelt, weil der Staatsanwaltschaft das Amtsgerichtsurteil gegen den Anwalt zu milde ausgefallen war. 5250 Euro müsse der nun zahlen, so die Sprecherin weiter. Der Rechtsanwalt war am Mittwoch für eine Stellungnahme gegenüber der RUNDSCHAU nicht erreichbar. Die Gerichtssprecherin bestätigt jedoch, dass er gegen das Urteil Revision eingelegt habe.

Das Landgericht Cottbus hatte am Donnerstag nicht zum ersten Mal einen Rechtsanwalt aus der Region verurteilen müssen. Im Juni diesen Jahres hat ein 42-jähriger Anwalt aus dem Landkreis Spree-Neiße eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten bekommen, weil er mehrere Mandanten betrogen hatte. Für die Richter ergab sich in der Beweisaufnahme das Bild eines Mannes, der finanziell nicht über die Runden kam und deshalb Mandantengeld in die eigene Tasche gesteckt hatte. Wegen Erpressung eines Mandanten, überhöhten Gebühren und Untreue verurteilte das Amtsgericht in Lübben einen weiteren Anwalt 2007 zu 12 000 Euro Geldstrafe.

Berufsrechtliche Sanktionen

“Jeder dieser Fälle schädigt das Ansehen unseres Berufsstandes„, sagt Frank Engelmann, Präsident der Rechtsanwaltskammer des Landes Brandenburg. Engelmann spricht von Einzelfällen, deren Zahl in den vergangenen Jahren jedoch gestiegen sei. Es gebe auch in Brandenburg immer mehr zugelassene Rechtsanwälte, erklärt er. “Damit steigt der Konkurrenzdruck und auch die Gefahr, dass wir schwarze Schafe dabei haben, die sich bei ihren Mandanten bereichern wollen.„ Insgesamt jedoch seien Anwälte weder bessere noch schlechtere Menschen. 2400 gebe es mittlerweile landesweit. In der Niederlausitz, vergleicht Engelmann, kommt auf 1400 Einwohner ein Anwalt, im Berliner Speckgürtel einer auf 700 Einwohner. Mandanten fänden sich hier wie dort gleichermaßen schwer.

Auch die Anwaltskammer könne Verfehlungen ahnden, so Engelmann weiter. “Nach einer Verurteilung prüfen wir, ob wir auch berufsrechtlich gegen den Kollegen vorgehen.„ Schuldige die Kammer einen Anwalt an, befindet das Anwaltsgericht bei der Generalstaatsanwaltschaft. Die Strafen sind abgestuft: So könne ein Anwalt lediglich verwarnt werden, sagt der Kammer-Präsident. Ihm könne aber auch untersagt werden, Mandanten auf bestimmten juristischen Feldern zu vertreten. Im Ordnungs- oder im Zivilrecht zum Beispiel.

Schärfste Sanktion sei der Ausschluss. Frank Engelmann: “Dem Rechtsanwalt wird die Zulassung entzogen.„ Er dürfe dann bundesweit nicht mehr als Anwalt arbeiten. Nach einer festgelegten Zeitspanne von bis zu 15 Jahren werde geprüft, ob der so Bestrafte in den Beruf zurückkehren darf.