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| 01:28 Uhr

Lausitzer Ackerbau unter Extrembedingungen

Zeichen des Klimawandels: Mühsam zwängen sich grüne Blättchen aus einem ausgedörrten Stück Feld im Oderbruch. Es wird immer wärmer in Deutschland.
Zeichen des Klimawandels: Mühsam zwängen sich grüne Blättchen aus einem ausgedörrten Stück Feld im Oderbruch. Es wird immer wärmer in Deutschland. FOTO: Archivfoto: dpa
Cottbus. Der Klimawandel wird für Lausitzer Landwirte zur Herausforderung. Dr. Johann Bachinger und seine Kollegen am Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung in Müncheberg (Märkisch-Oderland) entwickeln mit weiteren Forschungseinrichtungen in Brandenburg und Berlin Anpassungsstrategien. Mit Johann Bachinger sprach Daniel Preikschat

Herr Bachinger, Sie sind wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Landnutzungssysteme am Leibniz-Zentrum und einer der Koordinatoren bei dem Projekt „Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Berlin-Brandenburg“ (Inka BB). Wie bedroht ist die Landwirtschaft in der Lausitz mit ihren schlechten Böden?Der Klimawandel soll laut den Prognosen im Winter mehr und im Sommer weniger Niederschläge mit sich bringen. Die Vegetationsperiode wird länger, die Extremniederschläge nehmen zu. Dabei greift der Klimawandel die landwirtschaftlichen Flächen in Brandenburg stärker an als in anderen Bundesländern. Innerhalb Brandenburgs ist die Lausitz mit ihren sandigen Böden, die schlecht Wasser halten und leicht abgetragen werden können, schon besonders benachteiligt. Die Landwirte sind sich der Herausforderung aber bewusst.

Sie arbeiten beim Inka-BB-Projekt mit mehreren Landwirten in der Uckermark und in der Lausitz zusammen, unternehmen gemeinsam Feldversuche und Praxistests. Was wird dabei erprobt und zu welchem Zweck?

Neue Fruchtsorten, neue Bodenbearbeitungs- und Beregnungssysteme, der Anbau verschiedener Fruchtfolgen samt Zwischenfrüchten. Es geht darum, im Boden viel stärker als bisher Bioporen auszubilden. Der Boden soll so Niederschläge, auch die künftig häufiger auftretenden Gewitterregen, besser aufnehmen können.

Was kann konkret der einzelne Landwirt in der Lausitz tun, um mit den Folgen des Klimawandels umzugehen?

Damit jeder für sich die richtige Strategie findet, wollen wir ihnen Hinweise und neue Erkenntnisse auf den Weg geben. So sind wir im Institut zum Beispiel der Meinung, dass stärker als bisher mit Zwischenfrüchten gearbeitet werden sollte, damit in der langen Periode zwischen Ernte und Ansaat der Boden nicht ungeschützt daliegt. Er ist in der Lausitz ohnehin schon relativ wasserabweisend, nährstoffarm, erosionsgefährdet und schwer zu durchwurzeln. Zwischenfrüchte wie Kleegras oder Hauptfrüchte wie Luzerne oder Winterroggen halten den Boden fest. Sie verhindern, dass Regen die Nährstoffe auswäscht und haben außerdem den Vorteil, wie Gründünger zu wirken. Sie reduzieren den Stickstoffverlust und fördern den Humusaufbau.

Reicht das aus, um das knappe Gut Wasser im Boden zu halten und für Feldfrüchte zugänglich zu machen?Dazu gehört mehr. Wir raten Landwirten, die Flucht nach unten anzutreten. Luzerne etwa treibt mit ihren Pfahlwurzeln Bioporen in die Erde. Noch besser kanalisieren Regenwürmer den Boden. Ihre Tunnel sind relativ stabile Röhren, weil die Innenwände verklebt sind. Mit diesem Röhrensystem speichert der Boden Feuchtigkeit, ähnlich wie ein Schwamm.

Luzerne kann man anbauen. Regenwürmer aber lassen sich nicht über den Acker streuen.Der Regenwurm lebt, wo er sich wohlfühlt. Und das ist nicht dort, wo viel gepflügt und wenig pflanzliche Rückstände an der Oberfläche bleiben. Wenn es feucht ist, kann sich beim Pflügen außerdem eine Pflugsohle bilden, die wie eine Barriere wirkt. Wasser und Wurzeln kommen da nur schwer durch. Da die Winter künftig noch regenreicher werden, muss außerdem mit feuchteren Äckern im Frühjahr gerechnet werden – und das bei einem immer früher einsetzenden Vegetationsbeginn. Auf diesen feuchten Böden ist die Gefahr groß, dass sie beim Pflügen schadhaft verdichtet werden.

Was empfehlen Sie statt des Pflügens?Wir probieren im Rahmen des Inka-BB-Projektes das Direktsaatverfahren aus, außerdem den Ringschneider, eine bayerische Entwicklung. Dabei werden die Wurzeln der Zwischenfrüchte knapp unter der Erdoberfläche gekappt. Sie sterben ab, ohne dass der Landwirt Unkrautbekämpfungsmittel einsetzen muss.

Anders als die Winter sollen die Sommer im Zuge des Klimawandels immer regenärmer werden. Kann mehr Beregnung Teil einer Anpassungsstrategie sein?Das muss ein Landwirt für sich genau durchrechnen. Beregnung ist teuer und lohnt oft nur beim Anbau hochwertiger Feldfrüchte wie Gemüse. Dabei ist heute nur noch eine hocheffiziente Tröpfchenberegnung empfehlenswert. Dabei sickert über kleine Löcher in Schläuchen eine vorher genau berechnete Menge Wasser ein – ohne Verdunstungsverluste. Der Wasserbedarf der jeweiligen Feldfrucht, Bodenbeschaffenheit und Wasserdampfsättigung gehen in die Berechnung durch moderne Computerprogramme ein. Auch an dieser effizienten Bewässerungssteuerung arbeiten wir in Teilprojekten von Inka BB.

Biobauern verwenden zum Teil alte, regionaltypische Sorten. Sie sagen, diese Sorten kämen am besten mit den herrschenden Bedingungen zurecht. Sind die Fruchtsorten-Experimente da überhaupt notwendig?

Die Verwendung alter Sorten gehört zur Philosophie der Biobauern. Es ist aber leicht nachweisbar, dass neue Sorten genauso trockenstressresistent sein können und dabei höhere Erträge bringen. Neue Weizensorten bringen heute Erträge von 100 Dezitonnen pro Hektar. In den 1970er-Jahren waren noch Erträge von 40 bis 60 Dezitonnen üblich. Moderne Getreidesorten tolerieren Trockenheit allerdings unterschiedlich stark. Die Humboldt-Universität in Berlin untersucht das gemeinsam mit Landwirten.

Ist der gerade in der Lausitz stark ausgeprägte Ökolandbau die richtige Antwort auf den Klimawandel?Der ökologische Landbau ist genauso vom Klimawandel bedroht und anpassungsbedürftig wie der konventionelle. Die Achillesferse des Ökolandbaus ist die ausreichende Versorgung mit Stickstoff über eine organische Düngung. Eine Frühjahrstrockenheit hat so indirekt fatale Folgen für den Ökolandbau. Denn den im Dünger gebundenen Stickstoff können die Mikroorganismen im Boden nur dann für die Pflanzen mineralisieren, wenn der Boden ausreichend feucht ist. Den konventionellen Landbau mit seinen dichteren und gut nährstoffversorgten Beständen hingegen treffen Trockenperioden ganz direkt, besonders empfindlich ab der Schossphase, wenn die Halme sprießen, bis zur Blüte. Ist der Boden durch die angesprochene schadhafte Verdichtung nur unzureichend durchwurzelt, sind die Bestände noch stärker gefährdet.