Es ist ein umfangreiches Werk mit vielen Statistiken, das die Deutsche Herzstiftung alljährlich vorlegt. Drei Fachgesellschaften liefern für den "Herzbericht" Daten über die Häufigkeit und die damit verbundene Sterblichkeit bei wichtigen Herzerkrankungen sowie eine Analyse der medizinischen Versorgung von Herzpatienten.

Die jetzt vorgelegte neueste Ausgabe, die sich auf die Statistik von 2012 stützt, zeigt erneut eine Besonderheit, die seit Jahren ins Auge fällt. Berechnet auf 100 000 Einwohner sterben in Brandenburg und Sachsen, wie auch in anderen ostdeutschen Bundesländern Infarktpatienten besonders häufig. Brandenburg hat dabei 2012 Sachsen-Anhalt vom ersten Platz verdrängt. Der Freistaat Sachsen bleibt unverändert Dritter.

Die Unterschiede zu anderen Bundesländern sind erheblich. Während deutschlandweit in zwölf Monaten 65 von 100 000 Einwohnern einen Herzinfarkt nicht überleben, sind es in Brandenburg 105 und in Sachsen 94. Die Frage nach den Ursachen dafür beschäftigt Fachleute schon seit Jahren.

Die Landesärztekammer Sachsen hat deshalb für den Osten des Landes im vorigen Jahr ein Pilotprojekt Herzinfarktregister angeschoben, das in diesem Jahr fortgesetzt wird. "Sachsen hat bundesweit die älteste Bevölkerung und die meisten Diabetiker", nennt Professor Jan Schulze, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, zwei Faktoren, die den vorderen Platz Sachsens in der Statistik beeinflussen. Er verweist aber auch darauf, dass jeder selbst es ein Stück weit in der Hand hat, sein Infarktrisiko durch gesunde Lebensweise zu senken: "Der Infarkt ist immer nur der letzte Punkt einer langen Herzkranzgefäßerkrankung."

Jedoch allein die höhere Zahl alter Menschen erhöht für eine Region auch statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Einwohner als in "jüngeren" Gebieten einen Infarkt bekommen. Und mit der Gesamtzahl der Infarkte steigt auch die Wahrscheinlichkeit von Todesfällen.

Daneben scheinen aber auch soziale Faktoren wie Arbeitslosigkeit, niedrige Bildung und schlechtes Einkommen indirekt eine Rolle zu spielen. Darauf weist eine Studie aus Sachsen-Anhalt hin, die im August 2014 vorgelegt wurde.

Solche sozialen Faktoren begünstigen demnach ein ungünstiges Individualverhalten wie ungesunde Ernährung, Rauchen und wenig Bewegung. Daraus resultieren wiederum Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Fettleibigkeit - Risikofaktoren für einen Herzinfarkt.

Die Einsatzzeiten der Rettungswagen und deren technische Ausstattung in Brandenburg und Sachsen werden von Fachleuten dagegen nicht mit einer erhöhten Infarkt-Sterberate in Zusammenhang gebracht. "Die Wagendichte des Rettungsdienstes ist so, dass innerhalb von 15 Minuten ein Fahrzeug eintrifft", so die Einschätzung von Ralf Konopke, Chefarzt der Notaufnahme im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum (CTK).

Die Notarztwagen verfügen in der Regel über ein EKG-Gerät zur Infarkt-Diagnostik. Wenn der Notarzt klare Infarktanzeichen feststellt, würden die Patienten auch direkt mit Vorankündigung in eine Klinik mit einem jederzeit verfügbaren Herzkathetermessplatz gebracht, so Konopke. Damit könne das verschlossene Herzgefäß schnell wieder geöffnet werden, die beste Therapie.

Die Landesärztekammer Sachsen schätzt ein, dass im Freistaat die Zahl der Katheterplätze mit 24-Stunden-Verfügbarkeit sehr gut sei. 2014 wurde auch das Görlitzer Klinikum damit ausgerüstet. Das Bautzener Krankenhaus verfügte bereits darüber. Herzkatheterplätze gibt es auch in Lübben, Senftenberg und Hoyerswerda.

Wichtige Aspekte, um die Infarktzahlen zu senken, sind nach Auffassung von Fachleuten eine bessere Vorsorge und eine schnellere Alarmierung des Notarztes. "Die Menschen müssen noch mehr aufgeklärt werden, bei unklaren Brustschmerzen den Rettungswagen zu rufen", sagt Professor Ruth H. Strasser vom Herzzentrum Dresden.

Olaf Konopke, Chefarzt der Notaufnahme im CTK, sieht auch ein Problem darin, dass viele Menschen auch durch Arbeitsüberlastung und weite Wege zum Job nicht mehr in hausärztlicher Betreuung seien. "Wenn die nach Hause kommen, hat jede Praxis zu", so Konopke. Vorerkrankungen, die einen Herzinfarkt begünstigen, blieben so unentdeckt und unbehandelt.

Die Deutsche Herzstiftung hat noch einen anderen möglichen Grund für höhere Infarktraten entdeckt. Außer in Sachsen wiesen Bundesländer mit hoher Infarktsterblichkeit auch die geringste Versorgungsdichte mit niedergelassenen Kardiologen auf. Mehr ambulante Diagnostik und Therapie könnten hier die Versorgung verbessern, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Professor Thomas Meinertz .

Anzeichen für einen Herzinfarkt unter: www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt