In einem jetzt vorgelegten Thesenpapier plädieren Landeschef Thomas Nord und der PDS-Vordenker Thomas Falkner dafür, Brandenburg langfristig in die Landeshauptstadt Potsdam sowie acht starke, eigenständige Regionen mit jeweils einer Bevölkerung von 200 000 bis 250 000 Einwohnern zu gliedern. Das Modell sieht vier kleine Speckgürtel-Kreise rings um die Metropole sowie fünf daran ansetzende ländlich strukturierte und große Regionalkreise vor, nämlich die gesamte Lausitz-Region, West-Havelland und Fläming, Prignitz und nördliches Havelland, Uckermark und Barnim, sowie das Oderland. Bislang gibt es neben den vier großen selbständigen Städten Potsdam, Cottbus, Brandenburg und Frankfurt in Brandenburg 14 in sich sehr heterogene Landkreise, die zumeist wie Tortenstücke um Berlin liegen.
Für die SPD-CDU-Regierungskoalition ist eine unpopuläre Kreisgebietsreform, auf die der PDS-Vorstoß hinauslaufen würde, auch mit Blick auf die Kommunalwahl 2008 vor der Landtagswahl 2009 jedoch tabu. Gegenüber der RUNDSCHAU sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) gestern: Er halte eine Zweiteilung Brandenburgs für falsch. "Es würde zu einer Entsolidarisierung führen: Es würde Landkreise erster und zweiter Klasse geben", so Schönbohm. Und der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Sven Petke, sagte: "Das wäre ein neues Groß-Berlin. Es würde zwei Brandenburgs geben." Das Infrastrukturministerium nannte den Vorstoß "unausgegoren".
Jenseits der offiziellen Reaktionen in der Koalition wird aber durchaus von "einer interessanten Idee" gesprochen. Der PDS-Vorschlag ist zudem weniger radikal als regelmäßige Planspiele für eine Kreisregebietsreform, die aus den Reihen der SPD/CDU-Koalition selbst kommen: Da war bereits von einer Reduzierung auf vier bis fünf Großkreise - ähnlich wie in Mecklenburg-Vorpommern - die Rede. Und Finanzminister Rainer Speer (SPD) hatte 2005 ein "6plus2"-Modell ins Gespräch gebracht, also sechs Landkreise neben zwei kreisfreien Städten Potsdam und Cottbus.
Die vorgeschlagenen Regionen greifen Stärken vor Ort, wie historische Bezüge auf, und wären besser auf Brandenburg zugeschnitten, argumentiert PDS-Landeschef Thomas Nord. "Es geht ausdrücklich nicht um Großkreise, die man nach Effizienzkriterien exekutiert". Vielmehr sei das Ziel, von Unten wachsende, "starke, möglichst eigenständige Regionen mit einer eigenen Identität" herauszubilden, die in Zeiten knappere Kassen lebensfähig sind. Ausdrücklich spricht Nord von einem Gegenmodell zu der auf Berlin fixierten "Metropolenregion", die sich die Landesregierung auf ihre Fahnen geschrieben habe. Kritik, die PDS plane mit Speckgürtel- und Landkreisen eine Zweiteilung des Landes, wies Nord ausdrücklich zurück. Nötig sei ein "Umbau Brandenburgs", so der PDS-Landeschef, dazu gehöre zwangsläufig au ch ein "neuer Interessen- und Finanzausgleich" im Land, eine Stärkung der Kommunen. Für die Landregionen müsse es natürlich einen finanziellen Flächenausgleich geben.