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Lausitz als innovatives Energie-Drehkreuz

Stromanschluss vorhanden. An einem der Lausitzer Leag-Kraftwerke, hier die Anlage im sächsischen Boxberg, soll der neue Groß-Strom-Speicher entstehen. Die genaue Standortentscheidung ist noch offen.
Stromanschluss vorhanden. An einem der Lausitzer Leag-Kraftwerke, hier die Anlage im sächsischen Boxberg, soll der neue Groß-Strom-Speicher entstehen. Die genaue Standortentscheidung ist noch offen. FOTO: Joachim Rehle
Cottbus. Energiekonzern Leag steigt mit Plan für einen Batteriespeicher im Industriemaßstab bei ostdeutschem Energiewendeprojekt ein. Simone Wendler

Gut zwei Monate nach Bekanntgabe des neuen, abgespeckten Revierkonzeptes für die Lausitz zeigt der Energiekonzern Leag, wohin er sich strategisch ausrichten will. Unter den neuen tschechischen Eigentümern steigt das Lausitzer Unternehmen als assoziierter Partner in die Entwicklung neuer Technologien zur Bewältigung der Energiewende ein.

Im Verbundprojekt Windnode, das rund 60 Beteiligte in allen ostdeutschen Bundesländern umfasst, wird die Leag zusammen mit Siemens ein Vorhaben entwickeln. Unter dem Namen "BigBatt" für große Batterie soll ab 2018 an einem Kraftwerksstandort des Unternehmens ein Stromspeicher im indus triellen Maßstab auf Basis von Lithium-Ionen-Akkus errichtet werden. Die Leistung des Pilotprojektes soll etwa 40 bis 50 Megawatt (MW) betragen, die Kosten werden bei etwa 20 Millionen Euro liegen. Das kündigte Leag-Chef Helmar Rendez am Donnerstag in Cottbus an.

Der genaue Standort für das Vorhaben werde noch geprüft, so Frank Mehlow, Leiter des Bereiches Energiewirtschaft bei der Leag. Alle Kraftwerkstandorte des Unternehmens verfügten jedoch über die nötige Infrastruktur und ausreichend Platz. Der Speicher soll durch die Vernetzung mit der Braunkohlestromerzeugung die Flexibilität der Kraftwerke weiter erhöhen. Außerdem könnte er Systemdienstleistungen für Netzbetreiber liefern. Das bedeutet, zur Stabilisierung des Stromnetzes kann in kritischen Situationen Elektroenergie schnell zu- oder abgeführt werden.

Darüber hinaus sollen neue Technologien der Betriebsführungs- und Leitsysteme entwickelt werden, kündigte Rendez an: "Wir wollen den Transformationsprozess des Energieversorgungssystems zielgerichtet und langfristig begleiten." Das Unternehmen werde neue Produkte entwickeln und sich Geschäftspartnern öffnen. "Wir haben Regelungssysteme für einen flexibelen Kraftwerkspark, die könnten auch für andere von Interesse sein", so Rendez. Schon jetzt würden Know-how und digitale Systeme der Leag im Drittkundengeschäft genutzt.

Flexibilität sei das zentrale Thema der Energiewende. Der geplante Großspeicher für Strom mit 40 bis 50 MW sei dabei für die Leag aber nur ein "Sahnehäubchen", so der Vorstandschef. Das Unternehmen verfügt über einen Braunkohlekraftwerkspark mit 8000 MW Leistung. Dort werde deshalb auch in Zukunft der wesentliche Teil der Flexibilität im Stromangebot erbracht werden müssen.

Damit sieht es nach Angaben von Rendez nicht schlecht aus. Als Beispiel nennt er den 1. Mai diesen Jahres. An diesem Tag sei die Stromproduktion des Braunkohlekraftwerksparks der Leag von 6000 MW auf 3000 MW herunter- und wieder hochgefahren worden. Beide Prozesse hätten jeweils nur fünf bis sechs Stunden gebraucht. Insgesamt könnten die Anlagen auf 30 Prozent der Kapazität gedrosselt werden. Ziel des Unternehmens sei es, eine Reduzierung bis auf 20 Prozent zu schaffen.

Wenn der geplante Strom-Großspeicher erfolgreich funktioniert, könnte sich Leag-Chef Rendez vorstellen, auch für andere Firmen solche Speicher zu steuern und zu vermarkten. Das eröffne ein neues Geschäftsfeld: "Wir treiben damit die Digitalisierung der Energiewirtschaft voran." Die Lausitz könnte zu einem "innovativen Energie-Drehkreuz" werden.

Wie sehr der Braunkohlekonzern auf weitere Digitalisierung setzt, zeigt eine andere Entscheidung. Kürzlich wurde ein spezielles Team mit zehn Mitarbeitern gebildet, das sich mit Vorschlägen dazu befasst.

Die Leag soll sich offenbar nicht nur damit befassen, so lange wie möglich Braunkohlestrom zu produzieren. "Wir planen nicht nur für die nächsten 25 bis 30 Jahre, sondern auch für die Transformation des Energiesektors und die Zeit danach", sagt Rendez.

Zum Thema:
Erneuerbare Energie wird vor allem wetterabhängig mit Sonne und Wind erzeugt. Deshalb spielt die Möglichkeit der Stromspeicherung neben dem Netzausbau eine wichtige Rolle bei der Energiewende. Die größten Stromspeicher sind bisher Pumpspeicherwerke mit insgesamt 11 000 MW Leistung. Ihre Zahl ist begrenzt. Lithium-Ionen-Akkus, wie sie auch in Elektroautos verwendet werden, bilden als Batteriespeicher eine weitere Technologie. "Redox"-Batterien arbeiten dagegen mit einer Elektrolytflüssigkeit. In der Nähe von Karlsruhe entwickeln Forscher zurzeit eine solche Anlage, die ein Dorf zehn Stunden lang mit Strom versorgen könnte. Die Technologie soll dabei erstmals im industriellen Maßstab angewendet werden. Das Pilotprojekt kostet 19 Millionen Euro. In Brandenburg machte bisher das Hybridkraftwerk der Enertrag in Prenzlau von sich reden. Überschüssiger Strom aus Wind- und Solaranlagen wird dort als Wasserstoff gespeichert. Leistung der Elektrolyseanlage 0,5 MW.