Seit mehr als zehn Jahren steht die deutsche Bundeskanzlerin angeblich auf einer NSA-Liste mit Aufklärungszielen. Doch damit nicht genug: US-Präsident Barack Obama soll es nach Informationen der "Bild am Sonntag" gewusst haben - und das seit 2010. US-Präsident George W. Bush, so der Medienbericht, habe das Spähprogramm in Gang gesetzt - nach dem Nein der Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) zu einer Beteiligung am Irak-Krieg im Jahr 2002. Merkel war damals CDU-Vorsitzende, Kanzlerin wurde sie erst 2005.

Ob Obama tatsächlich etwas wusste oder nicht - darüber gibt es jedoch widersprüchliche Meldungen. So schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", der US-Präsident habe der Kanzlerin in der vergangenen Woche telefonisch versichert, nichts gewusst zu haben. Indirekt räumte der US-Präsident damit allerdings ein, dass die NSA Merkel sehr wohl belauscht haben könnte.

Von der Bundesregierung gab es am Wochenende zu dem Telefonat keine Stellungnahme. "Wir berichten nicht über vertrauliche Gespräche", so ein Sprecher.

Derweil wird der Ruf nach Konsequenzen aus der Affäre lauter. Nach Linkspartei und Grünen fordert nun auch die SPD einen Bundestags-Untersuchungsausschuss. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid sollte sich Obama nach Ansicht von 76 Prozent der Bundesbürger bei der Kanzlerin entschuldigen. Auf der anderen Seite bleiben die USA für 53 Prozent der Befragten gute Verbündete, so die Umfrage der "Bild am Sonntag".

Meinung und Politik Seiten 2 & 5