Ab drei Milligramm Eisenhydroxid pro Liter Wasser wird das Problem sichtbar. "Bei dieser Konzentration ist eine deutliche Braunfärbung zu sehen, egal ob es dann drei Milligramm sind oder dreihundert", sagt Ingolf Arnold. Er ist Chefgeologe bei Vattenfall.

Der Energiekonzern betreibt vier Braunkohlegruben in der Lausitz. Zu deren Trockenhaltung wird das Grubenwasser abgepumpt und gereinigt in die Spree abgeleitet. Aus den Gruben Reichwalde und Nochten fließt das Wasser südlich von Spremberg zurück in die Spree, aus Jänschwalde-Nord wird das wertvolle Nass am Nordrand des Spreewaldes wieder in den Fluss zurückgeführt.

Laut wasserrechtlicher Genehmigung für den Bergbau darf das gereinigte Grubenwasser dann nicht mehr als höchstens drei Milligramm Eisen pro Liter enthalten. "Wir liegen immer unter zwei Milligramm", versichert Arnold. In der Spree bei Spremberg werden jedoch inzwischen schon rund sechs Milligramm Eisen pro Liter gemessen. "Ohne die Verdünnung durch unser Grubenwasser würde bei Spremberg etwa doppelt so viel Eisen in der Spree schwimmen", versichert Arnold.

Doch das Bergbauunternehmen weiß, wenn seine Tagebaue weiterziehen und irgendwann enden, kommt auch in seinem Verantwortungsbereich das Grundwasser zurück. Und damit die Probleme mit dem verwitterten Pyrit und dem daraus entstehenden Eisenhydroxid und Sulfat. Erst wenn das Grundwasser wieder stabil dicht unter der Erdoberfläche steht, wird die Pyrit-Verwitterung gestoppt, weil dann der dafür nötige Sauerstoff fehlt.

In den Genehmigungen für den aktiven Bergbau sind Auflagen enthalten, wie Vattenfall nach Ende der Kohleförderung für die Wasserqualität der Spree und die Rückkehr zu einem selbst regulierten Grundwasserspiegel geradestehen muss. Dafür muss der Konzern seit vielen Jahren Geld beiseitelegen und es gibt im Unternehmen dazu schon heute Langfristkonzepte, in denen die Verockerung eine Rolle spielt.

Ein Plan ist, die schon jetzt vorhandenen unterirdischen Dichtwände an den Gruben dafür zu nutzen. Sie könnten verhindern, so Arnold, dass eisenhaltiges Kippenwasser unkontrolliert ins Grundwasser gelangt: "Wenn nötig, könnte man da auch eine Schleuse einbauen und das Wasser reinigen."

Seit 1995 betreibt das Bergbauunternehmen auch eine umfangreiche Datensammlung über Bodenbeschaffenheit, Grundwasser und Fließgewässer in seinem Zuständigkeitsbereich. Damit soll rechtzeitig erkannt werden, wo eine hohe Eisenkonzentration entstehen könnte, damit ein Abfließen in Gräben und Flüsse rechtzeitig verhindert werden kann.

Um 2020 soll an den Drebkau-Leuthener Wiesen (Spree-Neiße) eine weitere Strategie erprobt werden, kündigt Arnold an. Dann wird dort der Grundwasseranstieg wieder die oberen Bodenschichten erreichen und in den Gräben Eisenocker auftauchen. "Zusammen mit der BTU in Cottbus, dem Wasser- und Bodenverband und Ingenieurbüros erarbeiten wir ein Konzept, wie wir das dann an Ort und Stelle belassen können", so Arnold.

Die Gräben sollen dazu Bögen und Schilfränder bekommen, damit das Wasser langsam fließt und sich möglichst viel Eisen absetzt. "Eventuell schalten wir auch einen Teich dazwischen." Denn Ockerschlamm dürfe von dort nicht in das Koselmühlenfließ, ein EU-registriertes Naturschutzgebiet, getragen werden. Für den Chefgeologen und seine Kollegen ist das auch Neuland: "Wir werden da noch die eine und andere Erfahrung machen."

Zum Thema:
Für Brandenburgs Grüne ist die Spree-Verockerung ein weiteres Argument für ihre Forderung: keine neuen Braunkohletagebaue in der Lausitz. "Die aktuellen Probleme sind zwar durch den alten Bergbau geschaffen worden, aber neue Tagebaue führen dazu, dass sich das wiederholt", sagt die grüne Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm. Deshalb dürfe es keine neuen Tagebaue in der Lausitz geben.