An fang November hatte der Rotorblatthersteller Vestas Blades Deutschland GmbH in Lauchhammer die Stadt über die drohende Steuer-Rückforderung informiert. Das bestätigte Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) der RUNDSCHAU. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Finanzamt Calau habe er erfahren, dass die Stadt im ersten Quartal 2015 mit einer Rückforderung von rund acht Millionen Euro Gewerbesteuer aus den Jahren 2005 und 2006 rechnen muss. "Mit aufgelaufenen Zinsen sind das über zehn Millionen Euro, etwa die Hälfte unseres kommunalen Haushaltes für 2015", sagt Pohlenz. Er habe sich deshalb an das Innen-und an das Wirtschaftsministerium in Potsdam mit der Bitte um Hilfe gewandt .

Hintergru nd der Forderung ist eine Prüfung der dänischen Steuerbehörden am Konzernsitz von Vestas. Das Werk in Lauchhammer ist Teil des dänischen Unternehmens. Bei der Prüfung waren Verrechnungspreise zwischen dem Mutterunternehmen in Dänemark und der Tochter-GmbH in Lauchhammer beanstandet worden. Nach Verhandlungen zwischen dänischen und deutschen Steuerbehörden war eine Nachzahlung in Dänemark und parallel die Erstattung gezahlter Gewerbesteuern in Deutschland vereinbart worde n.

Das trifft Lauchhammer mit voller Wucht. Die Stadt hatte seit Jahren einen ausgeglichenen Haushalt. Jetzt droht ihr, auf Jahre kein Geld für dringend notwendige Investitionen und freiwillige Leistungen zu haben. Bürgermeister Pohlenz bat die Ministerien um Hilfe bei der Suche nach einer Lösung, "die für alle tragbar" sei. Unterstützung bekommt er vom neuen CDU-Fraktionschef im Landtag, Ingo Senftleben: "Das Land muss helfen, für diese unverschuldete Ausnahmesituation eine Lösung zu finden."