Als Wolfgang Herrmann nach der Flut die Türen seiner Laube öffnete, lag der Kühlschrank in der Mitte des Häuschens im Schlamm. Die Möbel waren zerstört. Die Holzwände hatten sich voll Wasser gesogen. Mittlerweile ist die Laube wieder hergerichtet - die Holzvertäfelung ist neu, der Kühlschrank steht wieder an seinem Platz, an der Wand steht ein neuer Schrank mit Glastüren. Über dem Spülbecken hängen Fotos vom Herbst, die Wolfgang Herrmann beim Aufräumen mit Gummistiefeln und Eimer zeigen. 2000 Euro bezahlte er für den Wiederaufbau. Ob die Bäume die Flut überlebt haben, werde der Frühling zeigen, aber "die Rosen haben nach der Flut besser geblüht als vorher".
Rund 15 000 Laubenpieper waren nach Angaben des Landesverbands der Kleingärtner vom Hochwasser betroffen. Der Verband sammelte 230000 Euro Spenden für die Beseitigung der Schäden. Doch Geld allein löst die Probleme der Kleingärtner nicht. Denn manche Sparten dürfen nicht wieder aufgebaut werden. Die Jahrhundert-Flut zerstörte nämlich nicht nur Straßen und Häuser, sondern riss auch Gartenlauben mit, die weiteren Schaden angerichtet haben.
"Bei der Flut im August sind Gebiete durchströmt worden, wo wir es vorher nie angenommen hätten", sagte Christian Korndörfer vom Umweltamt der Stadt Dresden. Liegen Gärten in solchen Gefahrenzonen, darf dort künftig nicht mehr oder nur mit Auflagen gebaut werden. In Dresden betrifft das fünf Anlagen. Die Kleingärtner, die ihre Parzellen auf städtischem Boden hatten, wurden mit 4000 Euro abgefunden. Für die anderen Vereine verhandelt der Stadtverband der Kleingärtner in Dresden noch mit der Stadt und dem Freistaat über eine Entschädigung.
Die Kleingärtner des Vereins Salzburger Straße, deren Vorsitzender Wolfgang Herrmann ist, erfuhren erst kürzlich, dass ihre Sparte weiter bestehen darf. Ein Ingenieurbüro untersuchte im Auftrag der Stadt, ob die Kleingartenvereine im Bereich des alten Elbarms und im Auenbereich weiter bestehen dürfen. "Wir erstellen zurzeit die endgültige Hochwasserkarte", sagte Christian Korndörfer. "Aber die Anlagen dürfen alle weiter bestehen, lediglich in manchen der 1000 Parzellen dürfen die Lauben nicht wieder aufgebaut werden."
Die meisten Nachbarn von Wolfgang Herrmann haben ihre Lauben schon Ende des vergangenen Jahres renoviert oder neu gebaut. "Die Gartenfreunde waren zuversichtlich", sagte Herrmann. Nur 10 der 269 Gartenpächter kündigten ihre Parzellen wegen des Hochwassers. Die Elektriker reparieren gerade die Stromversorgung der Parzellen. Sein Verein hatte allein 17000 Euro Schäden an den Gemeinschaftsanlagen zu beklagen.
"Im Muldental haben viele ihre Gärten schon wieder in Schuss", sagt Karl-Heinz Hendlmeier, Präsident des dortigen Regionalverbandes. "Aber, was das Wasser mitgespült hat, das werden die über Jahre nicht wieder so hinbekommen." 550 000 Euro Schaden an Gemeinschaftsanlagen standen dort zu Buche. 90 Prozent der Kosten erstattet der Staat, die restlichen zehn Prozent muss der Regionalverband aufbringen. Ein Verein wird nicht wieder aufgebaut, weil die Gärtner kein Geld mehr haben. "Aber unsere Leute haben Mut", sagte Hendlmeier. "In Grimma hat die Flut einen Kleingartenverein dem Erdboden gleich gemacht, aber zehn Gartenfreunde wollen auf dem Stück Erde weiter machen."