Es geht dabei nicht mehr um Themenhotels wie in den 90er-Jahren, als das "New York New York", das "Luxor" und das "Venetian" die Welt Manhattans, das alte Ägypten und die Kanäle Venedigs in der Wüste nachbildeten. Stattdessen entstehen am "Strip", der Amüsiermeile der Stadt, immer mehr Luxusunterkünfte und Apartment-Komplexe.
Die Neubauten liegen zwar nahe an den Showbühnen und Attraktionen, doch Roulettetische und "einarmige Banditen" in der Lobby besitzen manche von ihnen nicht. "85 Prozent unserer Gäste spielen weiter um Geld", sagt Terry Jicinski, Vizepräsident der Tourismusbehörde LVCVA. "Andere Aktivitäten haben aber an Bedeutung gewonnen: Viele Leute verwenden heute zum Beispiel mehr Zeit als früher zum Einkaufen und in Restaurants." Ein Kasino direkt im Hotel ist kein Muss mehr.

32 000 Betten mehr
Ein Beispiel für diese neue Art Bauprojekt ist das City Center im Süden des "Strip": "Gebaut wird in drei Schichten, 20 Stunden am Tag", sagt Tony Dennis, Vizepräsident der Projektgesellschaft. Die Stahl- und Betongerippe, die derzeit zwischen den Kasinohotels "Monte Carlo" und "Bellagio" in die Höhe ragen, erinnern dabei ein wenig an den Potsdamer Platz in Berlin in den 90er-Jahren. Mit dem City Center entstehe eine "Stadt in der Stadt", versprechen die Investoren, die sich den Bau acht Milliarden Dollar (rund 5,15 Milliarden Euro) kosten lassen.
Gut 7400 Hotelzimmer und Apartments sollen bis Ende 2009 fertig sein, an der Gestaltung sind Architektur-Größen wie Daniel Libeskind und Helmut Jahn beteiligt. Neben einem Kasinohotel namens "Aria" mit 4004 Zimmern wird es auch exklusivere Einheiten geben, darunter reine Apartment-Türme und ein Luxushotel der Marke Mandarin-Oriental.
Das City Center ist nur eines von mehreren Großprojekten in der Stadt. Bis Ende 2010 sollen zu den vorhandenen fast 135 000 Hotelzimmern weitere 32 000 hinzukommen, sagt Jicinski. Ein ähnliches Konzept und eine ähnliche Größenordnung wie das City Center habe etwa das Projekt Echelon Plaza weiter nördlich am "Strip". Auch dort laufen Bauarbeiten, die Fertigstellung wird 2010 erwartet.
Um Platz für die Echelon Plaza zu schaffen, wurde das berühmte, aber in die Jahre gekommene "Stardust"-Hotel in die Luft gesprengt. Ebenso erging es dem "New Frontier" nebenan, wo jetzt eine Baulücke klafft. Wann dort mit dem Bau eines weiteren Großkomplexes aus Hotelzimmern, Kasino, Apartments und Geschäften begonnen wird, ist noch offen. Pläne für "The Plaza", wie das Ensemble heißen soll, gibt es zwar bereits, "im Moment fließen die Informationen zu Baubeginn und Fertigstellung aber spärlich", sagt Terry Jicinski.
Das dürfte mit der Immobilienkrise in den USA zu tun haben - für Bauprojekte, die zu großen Teilen aus Eigentumswohnungen bestehen, könnten die Zeiten besser sein. Und von solchen Projekten gibt es am "Strip" immer mehr. Von den sechs Türmen des City Center etwa ist nur das "Aria" ein reiner Hotelbetrieb. Von den Apartments in den anderen Gebäuden sind 50 Prozent verkauft, sagt Tony Dennis. "Die teuersten waren dabei zuerst weg." Jeder fünfte Käufer kommt aus dem Ausland.
Auch der knapp 197 Meter hohe, erst Ende März eröffnete "Trump Tower Las Vegas" ist ein Condo-Hotel mit 1282 Suiten. Sie können von den Käufern privat genutzt, aber auch in den Hotelbetrieb eingebracht werden. "Bis Jahresende erwarten wir eine Hotelnutzung von 85 Prozent", sagt Verkaufsmanager Fernando Nolan. Wegen seiner ganz in Gold glänzenden Fassade ist der "Trump Tower" momentan der wohl markanteste Hochhaus-Neuling in der Stadt. Obwohl nicht unmittelbar am "Strip" gelegen, lockt er regelmäßig Touristen an, die sich das exklusive Luxusresort einmal aus der Nähe anschauen wollen - weiter als bis in die Lobby dürfen sie allerdings nicht hinein.

Auslastung bei 90 Prozent
Der "Trump Tower" ist nicht die einzige Neueröffnung dieses Jahres. Schon vor einigen Monaten kam der "Palazzo" als luxuriöser Erweiterungsbau des "Venetian" hinzu. Voraussichtlich im Dezember soll das "Encore" als zweiter Hotelturm des "Wynn"-Kasinos eingeweiht werden. Allein damit wächst Las Vegas um weitere 2000 Hotelzimmer.
Trotz der Probleme auf dem Heimatmarkt und des ständigen Ausbaus der Kapazitäten geht die LVCVA davon aus, die Hotelauslastung in Las Vegas bei fast 90 Prozent halten zu können. Möglich machen sollen es nicht zuletzt mehr Gäste aus Übersee, die der günstige US-Dollar ins Land lockt: "Bisher kommen zwölf Prozent unserer Gäste aus dem Ausland, wir wollen das auf 15 Prozent erhöhen", sagt Terry Jicinski. Auch die Besucherzahl insgesamt soll dadurch steigen: Nach knapp 39,2 Millionen Gästen im vergangenen Jahr soll 2008 die 40-Millionen-Marke fast erreicht werden. Für 2010 werden dann sogar 43 Millionen Besucher angepeilt. Wenn das klappt, dürfte noch so manche neue Baustelle in Las Vegas zu besichtigen sein. Die Wüsten-Stadt im Internet:
www.visitlasvegas.de