Wie der Anwalt des Studenten, der Berliner Jurist Clemens C. Vogelsberg, der RUNDSCHAU erklärte, hätten sich zu Beginn des Verfahrens beide Seiten darauf verständigt, eine Entscheidung ohne mündliche Verhandlung zu akzeptieren. "Dann ist knapp sieben Jahre nichts passiert", so Vogelsberg. Danach sei die Klage zunächst innerhalb von einem Monat abgewiesen worden. In der Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg sei dem Kläger jedoch recht gegeben worden.

"Und weil 2011 das Gesetz zur überlangen Verfahrensdauer in Kraft getreten ist, habe ich meinem Mandanten geraten, auf Schadenersatz zu klagen."

Vor dem Oberverwaltungsgericht wurde dem Studenten ein Schadenersatz von 4000 Euro für drei Jahre und vier Monate zugesprochen, die das Verwaltungsgericht Potsdam nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts zu lange brauchte. In Leipzig geht es um weitere 2000 Euro - denn Rechtsanwalt Vogelsberg und sein Mandant sind der Ansicht, dass die erste Instanz ihr Urteil durchaus in 20 Monaten hätte fällen können.

"In Brandenburg steht das Recht auf ein zügiges Verfahren sogar in der Landesverfassung", so Vogelsberg. "Es ist skandalös, dass das Land dann nichts tut, um dieses Recht auch zu gewährleisten." Dies deute auf ein "politisches Versagen größeren Stils", so der Anwalt.

Die lange Verfahrensdauer bei den Brandenburger Verwaltungsgerichten ist im Land bereits seit mehreren Jahren ein Thema. Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) hatte zuletzt im Dezember 2012 mitgeteilt, dass durch die Abordnung von Richtern aus anderen Gerichtsbarkeiten sowie die Anstellung von 15 Proberichtern die durchschnittliche Verfahrensdauer von 27,5 Monaten im Jahr 2009 auf 19 Monate im Dezember 2012 gesenkt werden konnte.

Zur aktuellen Verfahrensdauer konnte das Potsdamer Justizministerium gestern dieser Zeitung keine Auskunft geben.