Wahlkrimi um ein kirchliches Spitzenamt: Nach fast zwei Tagen hat die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens einen designierten neuen Bischof. Bei einer Sondertagung der Synode am Wochenende in Dresden setzte sich mit dem Markneukirchner Pfarrer Carsten Rentzing erst im sechsten Wahlgang der Kandidat durch, der von Anfang an vorn lag. Der 47-Jährige konnte am Sonntag in der zweiten Stichwahl die nötigen 40 gültigen Stimmen auf sich vereinen. Für den 51 Jahre alten Landesjugendpfarrer Tobias Bilz votierten 38 Synodale - bei einer ungültigen Stimme.

Rentzing, 1967 in Westberlin geboren, tritt am 29. August die Nachfolge von Jochen Bohl an, einem der profiliertesten Bischöfe der evangelischen Kirche Deutschlands. Der 65-Jährige geht nach elf Jahren Amtszeit in den Ruhestand.

Rentzing dankte für das Vertrauen und versicherte denen, die ihm ihre Stimme nicht gaben oder Sorge mit seiner Wahl hatten, dass er auch für sie "immer ein Ohr und ein Herz" habe.

Der Mitbegründer der "Bekenntnisinitiative" im Erzgebirge gegen homosexuelle Lebenspartnerschaften im Pfarrhaus betonte, dass er nicht einen Teil der Landeskirche vertrete, sondern Bischof aller Gläubigen werde. Er wolle die Hand reichen und Gräben überwinden helfen, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. So zwinge auch der demografische Wandel die Kirche, ihre Aufgaben und Ressourcen zu überprüfen.

Laut Synodalpräsident Otto Guse war es die längste Bischofswahl der Kirchengeschichte. Er nannte die im Gegensatz zu früher auf die Synode beschränkte Zahl der Wahlberechtigten und den Umfang des Wahlvorschlags als Gründe.