Doch Sebastian ist kein Angestellter und auch kein Beamter, sondern Schüler. Der Zwölfjährige besucht die 6. Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Löbau.
"Als ich eines Tages in der Schule die Flyer von der Aktion ‚Wer hat den längsten Schulweg' ausliegen sah, dachte ich mir: Da könnte ich auch teilnehmen. Schließlich ist mein Schulweg wirklich nicht der Kürzeste", erzählt Sebastian. Er füllte alles selbst aus, Mutti Cornelia musste nur noch die Briefmarke aufkleben. Wenig später kam dann die Nachricht: Sebastian hat tatsächlich gewonnen - den zweiten Preis.
"Eigentlich sind die Gewinner unserer Aktion in Wirklichkeit Verlierer", erklärt Initiatorin Julia Bonk, die als schulpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion im sächsischen Landtag fungiert. "Sie müssen die Folgen der verfehlten Schulpolitik in unserem Land tragen, die auf den Rückgang der Schülerzahlen keine andere Antwort weiß als Schulschließungen." In Sebastians Fall betreffe dies die Schließung des Gymnasiums Ebersbach.
Und so sieht der typische Tagesablauf des Zwölfjährigen aus Eibau aus: "Aufstehen muss ich um halb sechs, aus dem Haus gehe ich um 6.10 Uhr. Um 6.25 Uhr fährt der Bus los, um 7.05 Uhr kommt er in Löbau an. Bis zum Gymnasium brauche ich dann noch eine knappe Viertelstunde und bin gerade mit dem Klingelzeichen da. Mittags muss ich meistens eine ganze Stunde auf den nächsten Bus warten, weil der vorherige Bus fünf Minuten vor Unterrichtsschluss fährt. Meist bummle ich dann noch mit ein paar Freunden durch die Stadt. Manchmal erlaubt mir der Lehrer auch, etwas eher zu gehen, sodass ich den früheren Bus gerade noch erreiche. Manchmal ist er aber trotzdem schon weg. Dann komme ich erst halb vier nach Hause."
Für Freizeitaktivitäten, ergänzt Mutti Cornelia Groschopp, bleibt kaum noch Zeit. Schließlich müssen auch noch die Hausaufgaben erledigt werden. Trotz allem, so betont Sebastian stolz, sei er ein guter Schüler. Damit er sich wenigstens in den nächsten Tagen die Wartezeit auf den Bus ein wenig verkürzen kann, erhielt er von Julia Bonk ein "Überraschungspaket".