Dort, wo sich einst der SED-Chef auf Parteitagen feiern ließ und bis kurz nach der Wende noch die DDR-Volkskammer tagte, werden seit Monaten ganz unterschiedliche Kunsthappenings inszeniert. Am Wochenende endete die eigentlich letzte große Schau. Doch jetzt sollen an- geblich bis zum geplanten Abrissbeginn im Januar weitere Events folgen.
Vor gut 15 Jahren wurde der auch als "Palazzo Prozzo" verspöttelte Bau von der Volkskammer wegen Asbestverseuchung geschlossen. Im Juli 2002 beschloss der Bundestag den Abriss. Auf dem Platz soll ein Neubau mit der barocken Fassade des 1950 von der SED gesprengten Hohenzollernschlosses entstehen.
Seit Sommer vergangenen Jahres wird die völlig ausgeschlachtete Bauhülle des Palastes für Ausstellungen und Kunstinszenierungen genutzt. Menschen aus aller Welt pilgern seitdem zu der Ruine, um einen letzten Blick in "Erichs Lampenladen" zu werfen. Vor allem Ostdeutsche lockt es aus Nostalgie-Gründen hierher.
Was für die einen ein Schandfleck in der touristischen Mitte Berlins ist, bedeutet für die anderen ein nicht wegzudenkendes Wahrzeichen. Diese Fronten haben sich in den vergangenen Jahren extrem verhärtet: Ein Bündnis für den Palast kämpft um den Erhalt des Baus. Für den Förderverein Berliner Schloss ist der Neubau mit der Schlossfassade hingegen die einzige Lösung. Die Finanzierung des Schloss-Projekts ist allerdings noch offen. Einer Machbarkeitsstudie von Bundesbauminister Manfred Stolpe (SPD) zufolge kostet der Neubau 670 Millionen Euro. Kritiker rechnen jedoch mit einem doppelt so hohen Aufwand. Die Schlossbefürworter hoffen auf einen regen Spendenfluss - insbesondere nach der Eröffnung der Dresdner Frauenkirche, deren Wiederaufbau fast ausschließlich mit Spenden finanziert wurde.
Am Wochenende machten die Palastfreunde erneut Front gegen den Abriss. Unter dem Motto "Der Palast ist Berlin" sprachen sich auch Prominente wie der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele und die Linke Petra Pau dagegen aus. Nach Grünen und der Linkspartei fordern nun auch die Berliner Grünen, den Abriss-Beschluss zu revidieren. Für junge Kunstfans ist die skelettierte Ruine direkt an der Spree ein "cooler" Veranstaltungsort - "Besser als das Centre Pompidou in Paris". Schon vor dem Mauerfall war der Palast nicht nur Sitz des DDR-Parlaments, sondern auch Schauplatz populärer Publikumsveranstaltungen: Modenschauen, Theaterinszenierungen und Ballettaufführungen lockten die DDR-Bürger seit der Eröffnung des Baus 1976 in die Hauptstadt.
Um den 20 Millionen Euro teuren Abrissauftrag haben sich rund 15 Firmen bei einer europaweiten Ausschreibung beworben. Allein 21 000 Tonnen Stahl müssen aus dem riesigen Gebäude abtransportiert werden. Der Abriss birgt allerdings Risiken. Um zu verhindern, dass das Grundwasser aufsteigt, war zu DDR-Zeiten vor dem Bau des Palastes eine massive Betonplatte in den Boden aufgegossen worden. Unklar ist, was passiert, wenn der Palast nicht mehr steht. Kritiker fürchten Schäden für den benachbarten Berliner Dom.