Herbstliche Nebelschwaden ziehen über das sanft-hügelige Vorerzgebirgsland bei Langenweißbach (Kreis Zwickau). Aus dem Dunst schält sich eine Herde schwarzer Wasserbüffel. Die mächtigen Tiere, allen voran Deckbulle Saturn, trotten neugierig bis an den Elektrozaun.

"Die Büffel sind gutmütiger als Rinder", beruhigt Roland Teufel. Der Chef der Wiesenburger Land eG hat vor zehn Jahren erste Büffel auf seine Weiden gestellt - zwei Jahre, nachdem er die Tiere bei einem Urlaub im Süden Italiens kennengelernt hatte.

Damals galten die exotisch wirkenden Tiere mit ihren markanten Hörnern als Touristenattraktion am Rande des Erzgebirges. Inzwischen seien sie nichts Besonderes mehr, sagt Teufel. Die Büffelkühe und der mächtige Bulle recken ihre Köpfe über den Elektrozaun und genießen es sichtlich, vom Landwirt gekrault zu werden. Die Genossenschaft hält derzeit gut 100 Wasserbüffel in zwei Herden. Die Tiere weiden auf feuchten Wiesen und steilen Hängen, die landwirtschaftlich kaum anderweitig nutzbar wären. Da sich die Büffel gerne Schlammlöcher graben und darin suhlen, haben die Halter auf einigen Flächen Wasserstellen angelegt.

Der Landwirtschaftsbetrieb hält auch Milch- und Mutterkühe sowie Schafe und betreibt zudem Pflanzenbau. Bei den Büffeln setzt er ausschließlich auf Fleischvermarktung und Zuchttiere. Milch und Molkereiprodukte spielten keine Rolle, betont Teufel. Die zwei Deckbullen bleiben das ganze Jahr über in den beiden Herden; jede Büffelkuh bekommt im Schnitt einmal im Jahr ein Kalb.

Zuerst geschlachtet werden die Jungbullen, wenn sie mehr als 500 Kilogramm wiegen. Mutterkühe können 20 Jahre und älter werden, sagt der Vorsitzende des Deutschen Büffelverbandes, Manfred Thiele. Er ist zugleich Chef von Sachsens größtem Büffelzuchtbetrieb, dem Landgut Chursdorf in Mittelsachsen.

Der Landwirt hat 1999 erste Büffel nach Sachsen geholt und gilt in der Branche als anerkannter Experte für diese Tiere. In seinem Betrieb stehen inzwischen rund 200 Tiere. Im Gegensatz zur Wiesenburger Land eG vermarkten die Chursdorfer auch die Milch und insbesondere den Käse. Dazu haben sie eine eigene Molkerei eingerichtet. Schließlich sei der aus Büffelmilch hergestellte italienische Mozzarella geradezu legendär, betont Thiele.

In Indien, Ägypten oder Brasilien deckten Büffel zwischen 65 und 85 Prozent des gesamten Milchbedarfs, obwohl sie weniger Milch geben als Rinder. Laut Thiele sind das etwa 2200 Liter je Büffelkuh und Laktationsperiode, also nach einem Kalb.

Zurzeit gibt es in Sachsen gut 500 Büffel. Pro Jahr werden es etwa zehn Prozent mehr. Zugleich werden in Sachsen jährlich etwa 100 bis 110 Büffel geschlachtet. Die beiden Landwirte Teufel und Thiele sehen noch Potenzial im Verkauf von Zuchttieren ins europäische Ausland. Um den hohen Gesundheitsstatus der Büffel zu erhalten und die Zucht zu fördern, setzen die Chursdorfer inzwischen auf künstliche Besamung.

Der Verkauf des Büffelfleisches und daraus produzierter Wurst sei in den Regionen mit Büffelherden kein Problem. Büffelfleisch wird ähnlich zubereitet wie Rind. Es gilt jedoch als meist zarter. Sowohl Hausfrauen und Hobbyköche als auch Landgasthöfe gehörten zu den Abnehmern. Da die Menge oft nicht reiche, werde nur über Hofläden und meist mit Vorbestellung verkauft.

Außerhalb der Büffelregionen ist das Fleisch vielfach unbekannt, die Vermarktung schwieriger. Ein Grund auch: der fast ein Drittel höhere Preis im Vergleich zu Rind, wie etwa Küchenchef Sebastian Probst aus Kreischa bei Dresden sagt. Hochwertiges Roastbeef aus Brandenburg könne er derzeit für 23 Euro pro Kilo kaufen, für vergleichbares Büffelfleisch aus Sachsen müsse er knapp 32 Euro zahlen.