Das fällt den meisten schwer, müssen sie doch sieben Tage die Woche ihre Tiere sowie Haus und Hof versorgen. Genau aus diesem Grund wurde das Kursangebot gemacht, sagt Margrit Kain, Leiterin der Landwirtschaftsschule in Seelow (Märkisch-Oderland). "Die Zeiten, in denen sich der Bauer in den Wintermonaten erholen konnte, sind lange vorbei." Mit Hilfe des Angebots sollen die Landwirte lernen, mit Stress besser umzugehen.
So organisierte die Schule in ihrem Winterprogramm erstmals eine Tageskurs mit dem Titel "Ohne Stress in die Feiertage und ins neue Jahr" an. Die wachsende Bürokratie zwinge die Landwirte immer mehr an die Schreibtische und Computer, hat Kain beobachtet. Zudem müssten sie sich um Technik, Tiere und Felder kümmern. "Wir wollen den Bauern anbieten, sich von der schweren Arbeit zu erholen. Sie sollen lernen sich zu entspannen, damit sie vom Stress, der täglich auf sie einwirkt, abschalten können", sagt Kain, die die Qigong-Lehrerin Ria Biermann engagiert hat.

Neue Begriffe in der Runde
"Qi" - steht für Lebensenergie und "Gong" für beständiges Üben. Für gewöhnlich werden die Landwirte im Winter an der Schule in speziellen Vorträgen über Pflanzenschutz, Düngemittelverordnungen und Arbeitsrecht informiert.
In dem neuen Kurs machen Begriffe wie Stressabbau, Selbstwertgefühl und Meditation die Runde. "Ich muss sieben Tage in der Woche die Kühe im Stall versorgen", berichtet Tierpflegerin Elke Jansen. "Schon der Gedanke, immer da zu sein, nie abschalten zu können und rund um die Uhr per Handy erreichbar zu sein, ist manchmal schon stressig." Ihr und den anderen sieben Teilnehmern erklärt Ria Biermann, wie Stress entstehen und auch krank machen könne.
Ziel des Kurses ist es, Übungen zu erlernen mit denen Stress-Symptome wie Herzrasen, Schlaflosigkeit und Unruhe abgestellt werden können. Dabei sitzen die alle in einem Stuhlkreis um gelbe, rote und blaue Chiffontücher herum. Auf Anweisung der Lehrerin atmen die acht Teilnehmer tief durch und halten dabei die Augen geschlossen. "Stellen Sie sich etwas Schönes vor", ermuntert sie die Lehrerin. Ein anderes Mal hüpfen alle auf der Stelle und bewegen Arme und Beine über Kreuz.
Mit der etwas spirituell anmutenden Atmosphäre können Männer offensichtlich nicht so viel anfangen. Landwirt Carsten Ilse aus Letschin (Märkisch-Oderland) ist der einzige Mann im Kurs. Ilse bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Vater 430 Hektar Land und versorgt 1800 Schweine. Hinzu kommt die Büroarbeit. Mit Stress kann der 32-Jährige eigentlich gut umgehen. "Stress macht man sich normalerweise immer selber, es ist alles eine Frage der Einteilung", meint der junge Familienvater. Den Kurs macht er trotzdem mit, weil es mal etwas anderes ist als die sonst eher trockenen Vorträge.

Immer mehr Männer
Obwohl diesmal nur ein Mann dabei ist, hat Qigong-Lehrerin Biermann festgestellt, dass ihre Kurse in Bad Freienwalde und Strausberg (beides Märkisch-Oderland) zunehmend von Männern besucht werden. "Ich habe Steuerberater und Bauarbeiter in meinen Kursen", erzählt sie. "Wenn sie erst einmal merken, dass es ihnen etwas bringt, sind sie ganz begeistert und kommen wieder." Ob der Kurs für die Landwirte aus dem Oderbruch sinnvoll war, merken sie erst in einigen Wochen. Es klappt nur, wenn sie die Übungen auch regelmäßig gemacht haben.