"Das sind stabilisierende Ergebnisse für die große Koalition. Von Protestwahlen keine Spur", fasste ein Spitzenmann der Union zusammen. Ähnlich lautete auch der Tenor bei der SPD. Das Bündnis habe seine Probezeit bestanden und von den Wählern bis auf Weiteres eine Festanstellung erhalten. Freud und Leid waren unter den Koalitionären fast gerecht verteilt. Im Konrad-Adenauer-Haus verkündete Generalsekretär Ronald Pofalla: "Die CDU ist auch an diesem Wahlabend die stärkste Partei in Deutschland." Im schlechten Abschneiden in Rheinland-Pfalz, einer einstigen CDU-Hochburg, sahen viele Gäste aber doch mehr als nur einen Schönheitsfehler.
So richtig freuen konnte sich auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) nicht über das Ergebnis. Zwar gewann seine Partei die Wahl wie schon vor vier Jahren. Doch mit der um die Hälfte geschrumpften FDP kommt ihm sein bisheriger Koalitionspartner abhanden. Als wahrscheinlich gilt, dass Böhmer nun mit der SPD koaliert. Besser war die Laune bei der SPD und vor allem beim Parteichef. "Ich freue mich, dass ich mich als Vorsitzender mit euch bei Landtagswahlen über einen Wahlsieg freuen kann", strahlte Platzeck. Dass die SPD in Rheinland-Pfalz klar vorn lag und voraussichtlich auch in Magdeburg ins Regierungsboot steigen kann, wird das interne Gegrummel über ihn erst einmal beenden. Vor Wochen hatten die Sozialdemokraten noch nervös auf den Wahltermin geschaut, nachdem die Umfragewerte für die Kanzlerin und die Union im Bund nach oben geschnellt waren.
Die Sozialdemokraten könnten erstmals seit Jahren wieder in einem Bundesland eine Alleinregierung bilden. Laut Hochrechnungen von ARD und ZDF erreichte die SPD in Rheinland-Pfalz die absolute Mehrheit der Mandate. Die Sozialdemokraten stellen seit ihrem Wahldebakel in Niedersachsen 2003 in keinem deutschen Bundesland mehr eine Alleinregierung. Mit einem historischen Tief von rund 25 Prozent wurde SPD-Herausforderin Ute Vogt in Baden-Württemberg allerdings zur großen Verliererin.
Wenig zu lachen hatten die Oppositionsparteien. Die FDP blieb in Baden-Württemberg stark. In Sachsen-Anhalt halbierte sich aber ihr Stimmenanteil. Gemischt waren auch die Gefühle bei den Grünen. Der Südwesten bleibt für sie aber eine Bastion. Im Osten ist die Linkspartei auch in Zeiten der großen Koalition ein Machtfaktor, wie die Wahl in Sachsen-Anhalt zeigte.
(dpa/kr)