Rund zwei Millionen Wähler in Brandenburg können am 1. September über den künftigen Landtag abstimmen. Jeder Wähler hat zwei Stimmen. Die erste geht an einen Direktkandidaten im jeweiligen Wahlkreis. Wer die Menschen sind und wie sie aussehen, können Sie im Wahlnavigator der RUNDSCHAU herausfinden.

Mit der Zweitstimme entscheidet sich der Wähler für eine Partei. Darüber wird am Ende festgelegt, welche Partei wie viele Sitze im künftigen Landtag haben wird. Doch wofür stehen die Parteien und wer verbirgt sich hinter den Kürzeln? Die RUNDSCHAU bietet den Überblick:

SPD: „Ein Brandenburg“

Die SPD Brandenburg ist 1990 nach der Wiedervereinigung als Landesverband der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands wiedergegründet worden. Seitdem stellt sie durchgehend die Ministerpräsidenten des Landes. Bis 2002 Manfred Stolpe, bis 2013 Matthias Platzeck und seitdem Dietmar Woidke.

Woidke tritt auch diesmal wieder als Spitzenkandidat seiner Partei an. Der Wahlkampfslogan lautet: „Ein Brandenburg“. Was das bedeutet? „Es geht um EIN Brandenburg. Ein Land der Stabilität. Ein Land des Fortschritts. Ein Land der Sicherheit, der Toleranz, der sozialen Gerechtigkeit und der Lebenschancen für alle. Dafür werde ich auch in Zukunft mit vollem Einsatz kämpfen“, so Spitzenkandidat Woidke.

CDU: „Bock auf Brandenburg“

Größte Oppositionspartei im Brandenburger Landtag ist bisher die CDU. Der Landesverband existiert seit der Wiedervereinigung und der Einführung der Bundesländer in Ostdeutschland wieder in seiner 1945 gegründeten Form. Von 1999 bis 2009 war die CDU als Junior-partner an der Landesregierung beteiligt, seitdem ist sie in der Opposition.

Spitzenkandidat und Parteichef ist Ingo Senftleben (45) aus Großenhain. „Bock auf Brandenburg“ lautet das Motto seiner Wahlkampagne. „Ich habe Bock darauf, dass unsere Heimat überall wächst, dass wir bei der Bildung zum Vorbild in Deutschland werden und sich die Menschen wieder auf den Staat verlassen können. Ich habe Bock darauf, der nächste Ministerpräsident zu sein“, so Senftleben.

Die Linke: „Ums Ganze“

Der Landesverband Brandenburg der Partei Die Linke ist 2007 im Zuge der Vereinigung von PDS und WASG entstanden. Seit 2009 stellt die Linke in den Brandenburg zusammen mit der SPD die Landesregierung. In den aktuellen Wahlkampf geht die Partei mit dem Spitzenduo Kathrin Dannenberg (53) aus OSL und Sebastian Walter (40) aus Eberswalde.

„Ums Ganze“ lautet das Wahlkampfmotto. „Wir wollen kein Brandenburg der Spaltung, sondern ein Brandenburg der Solidarität. Im Miteinander, nicht im Gegeneinander aller Brandenburger*innen werden wir das Land sozialer und ökologischer entwickeln“, heißt es dazu auf der Wahlkampfseite der Partei.

AfD: „Vollende die Wende“

Der Landesverband der Alternative für Deutschland wurde 2013 gegründet. Bei der Landtagswahl 2014 zog die Partei erstmals mit 12,2 Prozent in den Brandenburger Landtag ein. Fraktionsvorsitzender war zunächst Alexander Gauland (78). Seit November 2017 ist es Andreas Kalbitz (47), der zugleich als Spitzenkandidat zur Wahl antritt. Auf Platz 2 der Landesliste findet sich Christoph Berndt (63), Initiator der rechtsgerichteten Zukunft-Heimat-Demos in Cottbus.

„Vollende die Wende“, lautet das Motto der AfD-Kampagne. „Brandenburg ist unsere Heimat. Doch sie ist bedroht. Wir treten an, um Recht und Ordnung wiederherzustellen“, heißt es dazu unter anderem im Wahlkampfmaterial der Partei.Der Verfassungsschutz beobachtet in Brandenburg eine enge Verbindung der AfD zur „Identitären Bewegung“ und rechtsextremen Kreisen.

Grüne: „Hallo Zukunft“

Der Landesverband „Bündnis 90/Die Grünen“ ist 1993 aus dem Zusammenschluss der Bürgerbewegung Bündnis 1990 und der Grünen entstanden. das Bündnis hatte bereits 1990 bei der Landtagswahl genügend Stimmen geholt, um in den Landtag und gleich in die erste Landesregierung einzuziehen. Nach der Vereinigung schafften es die Bündnisgrünen erst 2009 wieder, in den Landtag einzuziehen. Bei der Wahl 2014 holten sie 6,2 Prozent der Stimmen. Seitdem ist ihr Anteil im Umfragen deutlich gestiegen.

Spitzenkandidaten zur Wahl in diesem Jahr sind Ursula Nonnemacher (62) und der Spreewälder Benjamin Raschke (36). „Hallo Zukunft. Tschüss Stillstand“ lautet das Motto der Kampagne. „Der Zusammenhalt unserer Gesellschaft und die Zukunft unseres Planeten entscheiden sich hier, vor Ort. Gemeinsam haben wir es in der Hand, unser Land ökologischer, sozialer und weltoffener zu machen“, heißt es im Wahlprogramm der Grünen.

Freie Wähler: Gesunder Menschenverstand

Die Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler treten seit 2008 als Vereinigung lokaler Bürgergruppen landesweit in Erscheinung. 2014 holten sie bei der Landtagswahl 2,7 Prozent und blieben damit deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Dennoch zogen sie in den Landtag ein, weil ihr Kandidat Christoph Schulze (54) im Wahlkreis Teltow-Fläming III ein Direktmandat gewann. 2017 trat Schulze, wie auch die Herzbergerin Iris Schülzke (60), aus der Partei aus.

Zur Landtagswahl 2019 treten die Freien mit dem Spitzenkandidaten Péter Vida (35) an. „Am 1. September gesunden Menschenverstand wählen“, lautet das Motto. „Wir möchten den Menschen eine echte, vernünftige Alternative zur Wahrnehmung ihrer Interessen bieten“, heißt es dazu im Wahlprogramm.

Piraten: „Im Zweifel für die Freiheit“

Die Piratenpartei Deutschlands wurde 2006 nach dem Vorbild der schwedischen Piraten gegründet. 2011/2012 erlebte die Partei, die sich für Informationsfreiheit und moderne Beteiligungsformen einsetzt ein Hoch mit Wahlergebnissen und Umfragewerten bis zu zehn Prozent. Nach Streitigkeiten unter den Mitgliedern stürzte die Partei allerdings wieder ab, kam 2014 bei der Landtagswahl in Brandenburg auf 1,5 Prozent.

„Im Zweifel für die Freiheit“ steht über dem Kurzwahlprogramm zur Landtagswahl. „Freiheit steht für uns an erster Stelle. Dies bedeutet, dass Menschen- und Bürgerrechte, Privatsphäre und Datenschutz für uns nicht verhandelbar sind, sondern Grundrechte, die jedem zustehen“, heißt es darin. Auf Platz 1 der Landesliste steht Ulf Makarski (46) aus Bernau. Mit Thomas Friedrich (57) gibt es in Forst den einzigen Lausitzer Direktkandidaten der Piraten.

FDP: „Wir machen es einfach“

Der Landesverband der Freien Demokraten wurde 1990 gegründet und zog gleich bei der ersten Landtagswahl mit 6,6 Prozent in den Landtag und sogar in die Landesregierung ein, gemeinsam mit SPD und Bündnis 90 unter Manfred Stolpe (83). Danach stürzte die FDP bei den Wahlen in Brandenburg ab, dümpelte bei zwei bis drei Prozent. 2009 gelang ein kurzes Comeback im Landtag, seit 2014 ist die Partei aber wieder außerparlamentarische Opposition. Umfragen sehen sie derzeit bei rund fünf Prozent.

„Wir machen es einfach“ lautet der Slogan zum Wahlkampf 2019. „Nach fünf Jahren ohne FDP im brandenburgischen Landtag ist eines klar: In der Landespolitik fehlt eine liberale, freiheitliche Kraft der Mitte – es fehlen die Freien Demokraten“, heißt es auf der Wahlkampfseite. Spitzenkandidat ist Hans-Peter Goetz (58).

ÖDP: „Gemeinwohlökonomie ohne Wachstumsdogma“

Die Ökologisch-Demokratische Partei ist seit 1982 als Kleinpartei deutschlandweit aktiv. Sie ist der eher konservative Ableger der Öko-Bewegung und vor allem in Bayern stark. In Brandenburg trat sie bisher nur einmal an, 1994, und holte 0,1 Prozent der Stimmen. Spitzenkandidatein zur Landtagswahl 2019 ist Paula Stier (22) aus Neuenhagen. „Die Ökologisch-Demokratische Partei steht für eine Gemeinwohlökonomie ohne Wachstumsdogma. Frieden, Klimaschutz und Demokratie sind unsere Schwerpunkte verbunden mit dem Respekt vor allem Leben“, heißt es auf der Landesseite der Partei.

Tierschutzpartei: „Gerechte Welt für all ihre Bewohner“

Die Partei Mensch Umwelt Tierschutz wurde im Februar 1993 in Bonn gegründet. Einen Landesverband in Brandenburg gibt es seit 1998. Zur Landtagswahl tritt die Tierschutzpartei in diesem Jahr zum ersten Mal mit einer Landesliste an. Auf Platz 1 findet sich Dietrich-Rink (23). „Mein Fokus liegt darauf, den Zusammenhalt, die Motivation, die Effektivität und die Größe der Tierrechtsbewegung zu stärken, um gemeinsam, so schnell wie möglich eine bessere und gerechtere Welt für all ihre Bewohner zu schaffen“, erklärt der Kandidat auf Facebook.

V-Partei³: „Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz“

Die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer wurde 2016 in München gegründet. In Brandenburg tritt die Partei erstmals zur Landtagswahl an. Spitzenkandidat ist Marek Neumann (40) aus Zeuthen. „Ich möchte mit der V-Partei³ erreichen, dass Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz wieder in die Politik einziehen. Das unsägliche lobby- und profitgesteuerte Agieren unserer Regierung ist mir und vielen Menschen ein Dorn im Auge“, erklärt der Spitzenkandidat auf der Internetseite der Partei.

Was versprechen die großen Parteien zur Landtagswahl?

Vor der Landtagswahl am 1. September legt die RUNDSCHAU den Fokus auf die wichtigen Themen im Land. Wohnen, Bildung, Digitalisierung und Sicherheit – wie ist die Lage im Land? Was haben die Regierungen bisher getan? Und was versprechen die großen Parteien jetzt? Lesen Sie dazu mehr in unserem Wahlspezial.

Welche Partei bevorzugen die Lausitzer?

In der Gunst von Leserinnen und Lesern liegen SPD und AfD in Brandenburg gleichauf und knapp vor CDU und Linken. Dieses Ergebnis zeigt die LR-Wahlumfrage unter registrierten Mitgliedern des LR-Umfragecenters.

Was ist in den Lausitzern bei der Wahl wichtig?

In der LR-Wahlumfrage haben wir Leser gefragt, welche Themen für sie am wichtigsten sind. Demnach will eine Mehrheit der Mitglieder des Umfragecenters (40 Prozent) bei LR vor Ort spezial in Cottbus am 22. August an erster Stelle über das Thema innere Sicherheit diskutieren. Es geht also um Polizei, Kriminalität, Vorbeugen gegen Straftaten oder Landesjustiz.

Fast ebenso wichtig (36 Prozent) war Teilnehmern das Thema Bildung, also Kitas und Schulen, Qualität und Bildungsreformen. Ähnlich stimmten die Teilnehmer der gleichlautenden öffentlichen Umfrage ab. Das Thema Sicherheit wird also in der Diskussion im LR-Medienhaus die größte Rolle spielen.