Brandenburgs rot-rote Regierungsmehrheit hat sich für eine Bezuschussung des Eisenbahn-Fernverkehrs durch den Bund ausgesprochen. Jedes Oberzentrum soll täglich mit sechs Fernzügen bedient werden. "Es ist höchste Eisenbahn", sagte die Landtagsabgeordnete der Linken, Anita Tack.

Die Bahnreform, bei der der Fernverkehr vor 20 Jahren zu einem eigenwirtschaftlichen Angebot der DB AG wurde, sei ein Fehlschlag gewesen. "Wir brauchen eine konzertierte Aktion der Bundesländer", sagte Tack. "Wir brauchen wieder mehr Fahrgäste auf der Bahn und bessere Angebote."

Ähnlich äußerte sich die SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Kircheis. Zwischen Berlin und Rostock gebe es heute nur ein ICE-Zugpaar, dafür aber zahlreiche Regionalverbindungen. "Das ist Fernverkehr, der überwiegend mit dem Regionalverkehr betrieben wird", sagte Kircheis.

Der Bund müsse sich für mehr Zugverbindungen im Fernverkehr, auch nach Polen einsetzen. Unterstützung erhielt der Antrag von den Grünen. "Man kann zusammenfassend sagen, die Bundesregierung hat kein sonderlich großes Interesse am Schienenpersonenverkehr", so der Landtagsabgeordnete Michael Jungclaus. "Und die Länder dürfen es ausbaden."

Dagegen warf der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Genilke der Landesregierung vor, gnadenlos zu überziehen. Die Bahn sei privatwirtschaftlich organisiert: Es sei nicht möglich, Zugverbindungen nach Gutdünken zu fordern.

"Das ist Planwirtschaft, Frau Tack, und die haben wir überwunden", sagte Genilke.

Zudem habe die Bahn gerade erst angekündigt, Städte wie Frankfurt (Oder) oder Cottbus stärker an den Fernverkehr anzubinden. "Aber das liegt am Wettbewerb, der die Bahn dazu zwingt", sagte Genilke. "120 Millionen Euro weniger Einnahmen durch den Start der Fernbusse haben die Bahn zum Nachdenken gebracht."

Dagegen betonte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos), dass es sich bei den geplanten neuen Intercitys eher um "Doppelstock-Züge mit Kaffeemaschine und nicht mit Speisewagen" handeln werde. "Wir müssen aufpassen, dass uns die Pläne der Bahn nicht den Regionalverkehr zerschießen."