Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat im Landtag Kritik der Grünen am Verkauf der Braunkohlesparte von Vattenfall an den tschechischen Investor EPH zurückgewiesen. "Wer Atomausstieg will, der muss Ja sagen zur Braunkohle", sagte Woidke in einer auf SPD-Antrag zustande gekommenen Aktuellen Stunde im Potsdamer Landtag. In der Debatte betonten Koalitionsvertreter, dass die Braunkohleförderung noch längere Zeit fortgesetzt werde: Während Woidke in seiner Rede explizit betonte, dass die Kohle noch "Jahre und Jahrzehnte" gebraucht werde, erklärte Linken-Fraktionschef Ralf Christoffers, die Braunkohleförderung werde "mittelfristig eine tragende Rolle spielen". SPD-Fraktionschef Mike Bischoff sprach davon, dass niemand bestreite, dass die Kohleförderung "Mitte des 21. Jahrhunderts" beendet sei. Den etwa im rot-roten Koalitionsvertrag verwandten Begriff der "Brückentechnologie" benutzte in der Debatte am Donnerstag niemand.

Der Grünen-Fraktionschef Axel Vogel hatte EPH dagegen vorgeworfen, als Konzern über eine "Schachtelkonstruktion" zu verfügen, "die so aussieht, als ob Mossack Fonseca in Panama bei der Gründung Pate gestanden hätte." Bei der bereits zu EPH gehörenden Mitteldeutschen Braunkohlefirma Mibrag ermittele die Staatsanwaltschaft Bochum gegen einen ehemaligen Geschäftsführer wegen Korruption, Gewinne seien massiv nach Tschechien abgezogen worden, und für die Zukunft sei ein Stellenabbau geplant. "Früher hätten Sozialdemokraten solche Investoren Heuschrecken genannt", sagte Vogel. Bei allen übrigen Parteien stieß Vogel damit indes auf Widerspruch. "Ohne einen Verkauf wären die Folgen dramatisch gewesen", sagte der SPD-Fraktionschef Mike Bischoff. Ihm sei es unverständlich, dass sich der Bundesfinanzminister aus der Braunkohlesanierung zurückziehen wolle. "Wer Sonderabgaben für Kohlekraftwerke fordert, darf sich nicht gleichzeitig aus der Förderung der touristischen Wertschöpfung zurückziehen", so Bischoff.

Die Abgeordnete Iris Schülzke (BVB/Freie Wähler) sprach sich für einen regionalen Entwicklungsdialog für die Zukunft der Lausitz aus. Und der CDU-Wirtschaftsexperte Dierk Homeyer sah das Land in der Pflicht, der Wirtschaft bei der Bewältigung des Strukturwandels zu helfen. "Mit 10 000 Euro hier und 10 000 Euro da ist es nicht getan", so Homeyer. "Was fehlt, ist ein Lausitzplan." In Brandenburg stünde keine andere Region vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Lausitz. "Ohne gut vorbereiteten Strukturwandel steht das industrielle Rückgrat des Landes auf dem Spiel."

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Tausende Teichmolche, Erdkröten und Grasfrösche werden von Sachsen-Anhalt nach Sachsen umgesiedelt. Am Rande des Braunkohletagebaus Profen sammelten Tierschützer die Amphibien am Donnerstag im Auftrag der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) an ihrem Laichgewässer ein und brachten sie ins 25 Kilometer entfernte Maltitz. Dort wurde für die Amphibien ein neuer Lebensraum geschaffen.