Die FDP monierte, dass Kinder auch in Sachsen weiterhin ein Armutsrisiko seien. Der Regierungspartner SPD verlangte eine Abkehr vom traditionellen Familienbild.
Orosz sagte im Landtag: "Familien brauchen Raum in der Mitte unserer Gesellschaft und sie brauchen Raum in unseren Köpfen." Es müsse wieder zu einer Besinnung darüber kommen, "welchen Wert Familie und Kinder für unsere Gemeinschaft haben". Dabei sei die gesamte Gesellschaft gefordert, die Politik ebenso wie die Wirtschaft, die Verbände und Vereine, die Eltern und Kommunen. Notwendig sei ein anderes "Leitbild Familie", das das Miteinander der Generationen und die tagtäglichen Leistungen von Familien aufzeige.
Um das familienfreundlichste Land in Deutschland zu werden, müssten Familien umfassend unterstützt und gefördert werden, sagte Orosz. Sie nannte unter anderem eine Verbesserung der Betreuungsangebote, ein stärkeres Engagement der Wirtschaft, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, sowie die Umwandlung des Ehegattensplittings in ein Familiensplitting. Zudem sollten die Kosten für Kinderbetreuung steuerlich anerkannt werden.

Schöne Worte, nichts Konkretes
Der familienpolitische Sprecher der Linksfraktion, Falk Neubert, kritisierte, Orosz habe "schöne Worte gefunden, aber nichts Konkretes gesagt". Die Ministerin sei in der Selbstbelobigung verharrt. Nötig seien eine konsequente Einführung von Ganztagsschulen, eine kostenfreie Betreuung in Kitas sowie eine Zertifizierung für familienfreundliche Unternehmen in Sachsen.
FDP-Familienexpertin Kirstin Schütz bemängelte, die Regierung brüste sich mit den staatlichen Ausgaben für jede sächsische Familie in Höhe von einer Million Euro pro Tag. Dies seien aber umgerechnet nur 55 Cent pro Tag und Familie. Zudem bleibe auch die Kinderarmut ein Problem. So sei in Sachsen jedes fünfte Kind unter 15 Jahren von staatlichen Transferzahlungen abhängig.

Bildungsplan zügig umsetzen
Die Grünen-Abgeordnete Elke Hermann forderte eine zügige Umsetzung des Bildungsplans an sächsischen Kitas sowie mehr Personal. Zudem müssten die Mitarbeiter der Betreuungseinrichtungen besser qualifiziert werden.
Die SPD-Familienexpertin Gisela Schwarz mahnte derweil an, sich in der Familienpolitik von der klassischen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau zu lösen. Länder wie Griechenland und Italien, wo ein solches traditionelles Verständnis vorherrsche, hätten wesentlich niedrigere Geburtenraten als etwa die skandinavischen Länder, wo die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau weiter fortgeschritten sei.