„Es kommt darauf an, Erfahrungen weiterzugeben und Beschönigungen entgegenzutreten.“
 Torsten Herbst, parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion


Die Linke beanstandete hingegen eine „Einseitigkeit“ bei der Geschichtsvermittlung. Hintergrund der von der FDP-Fraktion beantragten Debatte war eine Studie des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin (FU), wonach westdeutsche Schüler die DDR weitaus kritischer bewerten als ihre Altersgenossen in den neuen Bundesländern.

Die Ergebnisse der Berliner Studie nannte Wöller besorgniserregend. Obwohl Schüler in Sachsen dabei nicht befragt wurden, wolle er nicht ausschließen, dass es auch im Freistaat Schulen mit „Lücken im Bild“ gebe. Die Behandlung des Themas berühre Lebenserfahrungen und sei „mit Emotionen verbunden“.
Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Torsten Herbst, forderte eine Ausweitung der Thematik auch auf Fächer wie Literatur und Kunst. Zudem sollten Zeitzeugen stärker zu Wort kommen, um den „menschenverachtenden Charakter“ der Diktatur zu vermitteln. Es komme darauf an, „Erfahrungen weiterzugeben und Beschönigungen entgegenzutreten“.
Zur weiteren wissenschaftlichen Aufarbeitung der DDR sprach sich die CDU-Fraktion für die Einrichtung einer entsprechenden Professur an der Universität Leipzig aus. Nach Ansicht ihres Bildungsexperten Thomas Colditz sind Fehler bei der Wissensvermittlung „nicht allein den Lehrern anzulasten“. Auch die Eltern seien gefragt. Die „Glorifizierung der DDR ist eine Herabwürdigung der Demokratie“.
Der SPD-Abgeordnete Cornelius Weiss wies auf einen möglichen Loyalitätskonflikt der Schüler hin, da diese vielfach zwischen dem Unterrichtsstoff und den Erzählungen im Elternhaus gewichten müssten. Mit der Fokussierung auf Diktatur und Stasi würden viele Schüler daher nicht erreicht. Vielmehr sollten Zeitzeugen in den Schulen erzählen, was in der DDR „funktionierte und was nicht“. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Vermittlung von Geschichte umso schwieriger sei, je mehr sie zurückliege.
Die Linke-Fraktion warnte davor, die DDR auf „Stasi, Gefängnisse und Mauer“ zu reduzieren. Gleichzeitig verlangte ihre Bildungsexpertin Cornelia Falken von der Regierung, die Abwahlmöglichkeit des Geschichtsunterrichts zurückzunehmen. Für die Wissensvermittlung seien nicht die Schulen allein verantwortlich. Im Übrigen sei eine objektive Aufarbeitung der DDR-Geschichte durch Regierungen gar nicht möglich, sondern „immer politisch gefärbt“. Die Linke-Abgeordnete Julia Bonk bezeichnete die Geschichtsvermittlung in sächsischen Schulen als einseitig und „oberflächlich“.
Der parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Karl-Heinz Gerstenberg, sprach sich dafür aus, im Schulunterricht auch das allgemeine Leben in der DDR zu thematisieren und so über die „Verführbarkeit“ in Diktaturen zu sprechen.
Laut der Ende Juli präsentierten FU-Studie sind westdeutsche Schüler besser als ostdeutsche Jugendliche in der Lage, zwischen Demokratie und Unfreiheit zu unterscheiden und die DDR als Diktatur einzustufen. Dem Papier zufolge bezeichnet in Ostdeutschland nicht einmal jeder zweite Schüler, in Westdeutschland jeder Dritte die DDR nicht ausdrücklich als Diktatur. In Brandenburg und Ost-Berlin wüssten nur gut 38 Prozent, dass es in der DDR keine demokratischen Wahlen gab.