Erik von Grawert-May, bis vor drei Jahren Professor für Unternehmensethik und -kultur an der Hochschule Lausitz (FH) in Senftenberg und jetzt Unternehmer in Berlin, will Glocken aus der Niederlausitz in Potsdam läuten lassen. Dafür hat der 68-Jährige 50 000 Euro aus dem Erlös seines Senftenberger Häuschens investiert und in der Lauchhammeraner Kunstgießerei zwei Glocken gießen lassen. Die sollen nun, so hofft Grawert-May, im wiedererrichteten Fortuna-Portal für den Landtagsneubau läuten. Sein Geschenk aber lehnt Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) dankend ab. Die historische Außengestaltung des Neubaus orientiere sich an der urspünglichen knobelsdorffschen Fassaden- und Attikagestaltung des Jahres 1744, schreibt er an den verhinderten Mäzen. Für diesen Zeitpunkt seien keine Glocken verbürgt. Deshalb müsse das Geschenk abgelehnt werden. Doch Fritsch will helfen, einen anderen Standort zu finden.

Erik von Grawert-May aber lässt nicht locker. Es habe, so beschreibt er in dem extra für das Projekt verfassten Büchlein "Die Toleranzglocken", im 17. Jahrhundert Glocken im Fortuna-Portal gegeben. Irgendwann sind sie verschwunden, vermutlich, so Grawert-May, als das Schloss umgebaut und eine neue Kirche errichtet worden war. Nun könnten sie auch aus ästhetischen Gründen die bisher leere Mitte des Portals ausfüllen und wie der Landtagsneubau selbst Tradition und Moderne verbinden. Doch das ist nicht das einzige Ansinnen, das der umtriebige Ex-Professor verfolgt. Er will auch an das an gleicher Stelle von Kurfürst Friedrich Wilhelm erlassene Edikt von Potsdam, das von Toleranz gegenüber den aus religiösen Gründen aus Frankreich geflüchteten Hugenotten zeugt, mit den neuen Glocken anknüpfen und für die Neuzeit Toleranz anmahnen. Aus diesem Grunde tragen beide Glocken die Aufschrift "Toleranzglocke". Der Zusatz "aus Senftenberg" ist für ihn eine Ehranbietung an die Stadt, in der er "15 glückliche Jahre verbracht hat und deshalb von seinem Glück zurückgeben will". Deshalb hat sich der 1944 in der niederschlesischen Oberlausitz geborene und in Hamburg und Bonn aufgewachsene Wirtschaftswissenschaftler, der in der Lausitz für spektakuläre Aktionen bekannt ist, für das Glockenprojekt den Kunstnamen Erik von Senftenberg gegeben und sich zum Botschafter für die Kreisstadt ernannt. Damit will er auch darauf hinweisen, dass zwei im Ortsteil Brieske dämmernde Industriekathedralen, wie er sie nennt, erhalten und genutzt werden: eine Waschkaue und eine Kraftzentrale, beides Zeugen der Bergbaugeschichte. Auch dort gab es zwei Glocken. Sie läuten heute Vorstellungen der Neuen Bühne Senftenberg ein.