Formal ist es nur eine einfache Kommunalwahl: Am 24. März sind die rund 165 000 Einwohner des Landkreises Teltow-Fläming aufgerufen, einen neuen Landrat zu wählen. Der bisherige Amtsinhaber Peer Giesecke (SPD) wurde bekanntlich im Dezember abgewählt, zuvor war er wegen Vorteilsnahme im Amt und Untreue verurteilt worden. Doch tatsächlich ist die bevorstehende Landratswahl auch eine Testwahl für die Landtagswahl im kommenden Jahr. Denn der Landkreis Teltow-Fläming ist ein Brandenburg im Kleinen: Im Norden ist er vom Berliner Speckgürtel geprägt - mit dem Industriestandort Ludwigsfelde, im Süden eher ländlich mit kleinen Dörfern und viel Agrarwirtschaft.

Dazu kommt das Thema Fluglärm: Die vom Flughafen besonders betroffenen Ortschaften Rangsdorf und Blankenfelde-Mahlow sind Teil des Landkreises, große Teile der 106 000 Unterschriften des Fluglärm-Volksbegehrens wurden hier gesammelt. Weswegen die Potsdamer Politik die Landratswahl in Teltow-Fläming bitterernst nimmt und mit teils prominenten Kandidaten ins Rennen um das Luckenwalder Kreishaus geht.

So hat etwa die Linkspartei mit der Luckenwalder Abgeordneten Kornelia Wehlan die Vorsitzende des Landtagsausschusses für Infrastruktur und Landwirtschaft nominiert. "Damit schickt die Linke ihre profilierteste und im Landkreis bekannteste Politikerin ins Rennen", sagt der Landesvorsitzende der Linkspartei, Stefan Ludwig. Ganz ähnlich ist es bei der CDU, wo schon das Interesse von Landes- und Bundespolitikern an der Nominierungsveranstaltung am Wochenende im Rangsdorfer Rathaus signalisierte, welche Bedeutung der Wahl zugemessen wird: Sowohl der Landesvorsitzende der CDU, Michael Schierack, als auch die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katherina Reiche, waren in das Seebad gekommen, um für den rechtspolitischen Sprecher der Brandenburger CDU und Kreisvorsitzenden der CDU Teltow-Fläming, Danny Eichelbaum, die Daumen zu drücken.

"Es ist für Brandenburg die erste Wahl in diesem Jahr - ein Stimmungstest, auch was den Flughafen betrifft", sagte Schierack gegenüber der RUNDSCHAU. "Und natürlich geht es darum, in diesen Landkreis Ordnung hineinzubringen." Das sind auch die Ziele des Kandidaten Danny Eichelbaum, der in seinem Zehn-Punkte-Programm für die Landtagswahl auch prompt den optimalen Schallschutz und das Nachtflugverbot am BER als wichtige politische Ziele nannte - Themen, die auf Kreisebene kaum entscheidbar sind. Doch gegen Eichelbaum laufen noch immer Ermittlungen der Potsdamer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Wahlbetrug.

Landespolitisch weniger bekannt sind die Kandidaten der übrigen Parteien, die ebenfalls ihre Kreisvorsitzenden ins Rennen schicken: Die SPD nominierte mit dem Ludwigsfelder Bürgermeister Frank Gerhard ein kommunalpolitisches Schwergewicht, und für die FDP geht mit dem langjährigen Rangsdorfer Bürgermeister Klaus Rocher ebenfalls eine lokale Größe ins Rennen. Und selbst die Grünen, deren Kreisverband erst seit etwa einem Jahr unabhängig ist, nominieren mit ihrem Kreisvorsitzenden Gerhard Kalinka einen eigenen Kandidaten.

Und dann ist da noch Christoph Schulze: Der aus der SPD-Landtagsfraktion ausgetretene Fluglärmgegner wird von mehreren örtlichen Bürgerinitiativen als Landratskandidat favorisiert. Doch auf die Nachfrage der RUNDSCHAU, ob er den kommunalpolitischen Hut in den Ring wirft, antwortete Schulze schlicht: "Kein Kommentar."