Nur ein Wort ließ sich der frühere CDU-Fraktionschef gestern nach der Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten entlocken: "Natürlich", rief er über die Schulter bei seinem eiligen Abgang auf die Frage, ob er durch eine Revision seinen Freispruch erreichen wolle.
Dabei enthielt das Urteil gegen den einstmals vielleicht mächtigsten Berliner Politiker vieles, das zu seinen Gunsten sprach. Zwar wurde er wegen Untreue gegenüber seiner Bank schuldig gesprochen. Er als Vorstandsvorsitzender der Berlin Hyp, einer Tochter der landeseigenen Bankgesellschaft Berlin, und seine Kollegen im Vorstand hätten ihre Pflichten bei der Vergabe von Millionen-Krediten gravierend verletzt, sagte Richter Josef Hoch in seiner Urteilsbegründung.
Dann aber folgten Worte, die den 64-jährigen Ex-Politiker, der in der Öffentlichkeit als Symbolfigur für die gesamte Bankenaffäre gilt, zumindest teilweise entlasteten. "Landowsky hat sich in der Politik um das Wohl der Stadt verdient gemacht", betonte der Richter. Und kritisierte eine "beispiellose Vorverurteilung" in den Medien, für die Landowsky als "Sündenbock" herhalten müsse. Tatsächlich geht von 61 Milliarden Euro Berliner Schulden nur ein Bruchteil auf das Konto der Banken-Misere. Das Publikum im Gericht reagierte mit höhnischen Kommentaren. Das Land musste mit einer Milliardensumme die angeschlagene Bankgesellschaft retten.

Parteispende von Aubis
Dass Landowsky zeitnah zu der Kreditvergabe eine Barspende der Aubis-Manager für die CDU angenommen hatte, spielte strafrechtlich zwar keine Rolle. Doch mit dem Bruch der Großen Koalition infolge der Bankenaffäre war Landowskys Karriere zu Ende.
Mit dem Strafmaß blieb das Gericht deutlich unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Höhe von drei Jahren ohne Bewährung. In drei von vier Anklagepunkten, bei denen es um die Vergabe von Millionen-Krediten für den Kauf von Plattenbausiedlungen durch die Immobilienfirma Aubis ging - darunter auch 3023 GWC-Wohnungen in Cottbus -, gab es einen Freispruch für alle 13 Angeklagten.

Lausitzring-Pleite befördert
In den Strudel der Krise der Bankgesellschaft geriet auch der Lausitzring bei Senftenberg. Die Bankgesellschaft war über eine Tochterfirma Hauptgesellschafter der Rennstrecke. Zur Sanierung der eigenen Finanzen wollten die Banker im Jahre 2002 die defizitäre Motorsportanlage verkaufen. Mitte März 2002 hatte die Landesbank Berlin, die ebenfalls zur Bankgesellschaft gehörte, sechs Kredite über insgesamt 28 Millionen Euro plötzlich fällig gestellt. Zusammen mit sieben bis acht Millionen Euro Anlaufverlusten und zwölf Millionen Euro zusätzlicher Baukosten hatte sich ein Pleiteberg von 48 Millionen Euro aufgetürmt. Mitte Juni 2002 wurde deshalb beim Amtsgericht Cottbus für den Lausitzring Insolvenz angemeldet.
Insgesamt ist nach Auffassung des Gerichts aber lediglich eine "Vermögensgefährdung" von damals drei Millionen DM entstanden. Das war eine Feststellung, die fast einer Ohrfeige für Anklage und Öffentlichkeit glich. Die Staatsanwältin hatte 153 Millionen DM Risiko aufgelistet, in der Öffentlichkeit wird Landowsky für die Milliardenverluste der gesamten damaligen Bankgesellschaft und heutigen Landesbank verantwortlich gemacht. Angesichts dieses Urteils will nun auch Staatsanwältin Vera Junker eine Revision prüfen.
Seit Sommer 2005 hatte das Gericht verhandelt. Vorher wurden von den Staatsanwälten über Jahre Hunderte von Aktenordnern ausgewertet. Die Angeklagten fuhren eine Phalanx renommierter Strafverteidiger auf. Zufrieden sind nach dem Urteil nur die früheren Aufsichtsratsmitglieder der Berlin Hyp. Sie wurden einhellig freigesprochen. Die Kontrollgremien hätten den Vorstandsmitglieder "vertrauen" dürfen, sagte der Richter.
Die juristische Aufarbeitung der Banken-Affäre ist auch nach dem Urteil von gestern noch lange nicht abgeschlossen. Eine weitere Anklage gegen Landowsky und andere Ex-Manager wurde vor knapp einem Jahr zugelassen.