Nach derzeitigen Bestimmungen müssten sämtliche Arbeiten zur Behebung der Flutschäden bis spätestens Ende 2004 abgeschlossen sein, das setze "viele Kreise ziemlich unter Druck". Zudem fehle es häufig am notwenigen Personal, um den Wiederaufbau rechtzeitig abzuschließen. "Wir wissen noch nicht, wie wir das hinkriegen sollen", sagte Schramm. Eine weitere Belastung seien zudem die steigenden Preise in der Baubranche. Durch den knapp bemessenen Zeitrahmen für den Wiederaufbau erhöhe sich im Freistaat die Nachfrage der öffentlichen Hand nach Baufirmen. Diese setzten ihre Preise nach oben, was zu einer deutlichen Mehrbelastung der öffentlichen Kassen führe.

Vorhersagen nicht merklich besser
Die Hochwasservorhersagen in Sachsen haben sich aus Sicht der Städte und Gemeinden auch ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe im Freistaat nicht merklich verbessert. So seien die Informationen zu aktuellen Pegelständen auch beim vergangenen Hochwasser Anfang Januar zu unpräzise und teilweise widersprüchlich gewesen, kritisierte Schramm. Dies hatte nach seinen Worten zur Folge, dass die Kommunen die Gefährdung vor Ort nur schwer einschätzen konnten und es ihnen kaum möglich war, der Bevölkerung konkrete Handlungsempfehlungen zu geben, bemängelte Schramm.
In Bezug auf den künftigen Hochwasserschutz forderte er den Freistaat dazu auf, die Kommunen bei allen Überlegungen zur Flutvorsorge und zum Katastrophenschutz mit einzubeziehen. Gleichzeitig appellierte Schramm an das Land, den Kommunen angemessene Alternativen zu der bisherigen touristische Nutzung von Talsperren zu bieten. Die Stauseen hätten sich vor der Flutkatastrophe als beliebte Sport- und Badegewässer etabliert und stellten für die Gemeinden eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle dar, erläuterte Schramm. Daher müsse ein Ausgleich geschaffen werden.

Jede zehnte Firma noch dicht
Etwa jedes zehnte hochwassergeschädigte Unternehmen in Sachsen hat auch sechs Monate nach der Flut seinen Geschäftsbetrieb noch nicht wieder aufgenommen. Das geht aus einer gestern in Dresden veröffentlichten Umfrage der drei sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) hervor, an der sich 900 betroffene Firmen beteiligten. Auf Grund der Schwere der Flutschäden werde mit einer Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit erst in diesem Jahr gerechnet. Am stärksten seien davon Hotels und Gaststätten betroffen.
Allein im Bereich der Industrie- und Handelskammern wurden 6500 flutgeschädigte Unternehmen verzeichnet. Laut der Umfrage belaufen sich 62,4 Prozent der Schadensfälle auf bis zu 100 000 Euro. Am stärksten sei dabei das Anlagevermögen in Mitleidenschaft gezogen worden. Die indirekten Auswirkungen wie Umsatzausfall und logistische Probleme schlagen aber mit einem Gesamtanteil von etwa 22 Prozent noch kräftig zu Buche.

Soforthilfen sind gefragt
Zur finanziellen Unterstützung für die vom Augusthochwasser geschädigten Unternehmen sei umfangreiches Geld von Bund und Land bereitgestellt worden. Am meisten nutzten die Betriebe die Soforthilfen. Mehr als 80 Prozent der befragten Betriebe hätten dafür Anträge gestellt. Davon seien jeweils 90 Prozent bewilligt und nahezu vollständig ausgezahlt worden. Die Antragsfrist für diese Hilfen endete am 31. Dezember 2002. (ddp/dpa/bra)

Hintergrund Arbeitsrechtsklagen
 Ein halbes Jahr nach der Jahrhundertflut in Sachsen ist der Großteil arbeitsgerichtlicher Klagen abgeschlossen. Das teilten die Arbeitsgerichte in Dresden und Leipzig mit. Von den insgesamt über 200 Verfahren seien die meisten mit einem Vergleich beendet worden. Der Ausgang von über 30 Strafverfahren bei den Staatsanwaltschaften in Dresden und Leipzig ist dagegen noch offen. Ihnen liegen Vorwürfe gegen Talsperrenverwaltungen und Evakuierungsmaßnahmen zu Grunde.