| 15:17 Uhr

Prozess um sexuellen Missbrauch
Plädoyers im Prozess um sexuellen Missbrauch

Wegen sexuellen Missbrauchs muss sich Michael E. vor dem Landgericht Cottbus verantworten. Foto: Wendler  Auch am zweiten Verhandlungstag verbirgt der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte Trainer so gut es geht sein Gesicht. Foto: Wendler
Wegen sexuellen Missbrauchs muss sich Michael E. vor dem Landgericht Cottbus verantworten. Foto: Wendler Auch am zweiten Verhandlungstag verbirgt der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte Trainer so gut es geht sein Gesicht. Foto: Wendler FOTO: Simone Wendler
Cottbus. Vor einem Jahr begann am Cottbuser Landgericht der Prozess gegen einen Kampfsporttrainer aus Finsterwalde wegen schweren sexuellen Missbrauchs minderjähriger Mädchen. Jetzt steht das Urteil gegen ihn kurz bevor. Von Simone Wendler

Am Mittwoch wird am Landgericht Cottbus der Prozess gegen einen Finsterwalder Kampfsporttrainer wegen schweren sexuellen Missbrauchs Minderjähriger voraussichtlich mit den Plädoyers in die letzte Phase gehen. Die Anklage wirft ihm mehr als 200 Einzeltaten über einen Zeitraum von von 2007 bis 2014 vor. Der Angeklagte hatte lange Zeit in einem Finsterwalder Freizeitzentrum Kinder und Jugendliche im Kampfsport trainiert. Auch zwei seiner drei mutmaßlichen Opfer, Mädchen, die zur Tatzeit unter 14 Jahre alt waren, wurden dort von ihm betreut. Der Fall war deshalb im Elbe-Elster-Kreis auf großes öffentliches Interesse gestoßen.

Der Prozess hatte zunächst vor genau einem Jahr begonnen. Weil der Angeklagte erkrankte, musste die Verhandlung jedoch im Januar 2017 abgebrochen und das Verfahren im Mai komplett neu gestartet werden. Nun sollen nach einer letzten Zeugenvernehmung die Schlussvorträge gehalten werden. Der ehemalige Trainer muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

Er hatte in dem Prozess, der zum Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, einen Teil der Vorwürfe eingeräumt. Anfangs hatte er noch behauptet, die Initiative für die sexuellen Kontakte bis hin zum vollzogenen Geschlechtsverkehr seien von den Mädchen ausgegangen. Später räumte er ein, selbst die treibende Kraft gewesen zu sein.

Das Mädchen, an dem der Angeklagte die meisten Übergriffe vollzogen haben soll, hatte er zusammen mit ihrer Schwester durch deren Mutter kennengelernt. Die hatte gehofft, nach einer gescheiterten Ehe mit dem Trainer eine neue Beziehung aufbauen zu können. Als die Mutter mit einem neuen Freund Probleme hatte, zog die jüngere der beiden Töchter sogar für ein Jahr in die Wohnung des Angeklagten.

Das Mädchen soll nach ihrer Aussage vor Gericht erst acht Jahre alt gewesen sein, als der Mann, der anfangs eine Art Ersatzvater für sie war, sich zum ersten Mal an ihr verging. Der Verteidiger des Angeklagten hatte der Mutter des Mädchens schwere Vorwürfe gemacht, dass sie ihre Tochter bei seinem Mandanten wohnen ließ. Er bezeichnete ihr Verhalten als „unglaublich und verwerflich“. Als das Mädchen sich später ihrer Mutter anvertraute, erstattete diese Anzeige.

Als deshalb bereits gegen den Kampfsportler ermittelt wurde, soll er sich mehrfach an einer anderen damals Zwölfjährigen aus der Trainingsgruppe vergangen haben. Sie war mit dem anderen mutmaßlichen Opfer befreundet und kam aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Dieses Mädchen hatte anders als bei der Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft im Ermittlungsverfahren vor Gericht sexuelle Übergriffe durch den Angeklagten bestritten. Der Angeklagte selbst hatte sich zu diesem Teil der Vorwürfe gegen ihn nicht geäußert. Anfang Dezember soll das Urteil in dem Prozess gesprochen werden.