Nach dem bislang internen Entwurf des Abschlussberichtes "zur Pilotphase", der der RUNDSCHAU vorliegt, hat sich der neue Schul-TÜV durchaus bewährt. Er helfe Direktoren und Lehrern, Unterricht und Management zu verbessern. Der Bericht weist aber auch auf Kinderkrankheiten, auf personelle und konzeptionelle Defizite hin. Die "Schulvisitation" gehört zu den Eckpfeilern der Bildungsreform, mit der Brandenburg die Qualität des Unterrichtes verbessern will.
An den 29 Pilotschulen war jeweils für zwei Tage ein kleines, speziell ausgebildetes Team - meistens ein Schulrat und zwei Lehrer - "eingeflogen", hatte den Unterricht beobachtet, Interviews mit Lehrern und Schülern geführt und am Ende in einem Bericht eine Gesamtbewertung über die Schule abgegeben. Bis auf wenige Ausnahmen empfanden die Schulen - so der Bericht - die Bewertungen der Externen als realistisch, kompetent und sachgerecht.
Der Bericht liefere ein deutliches Bild von Stärken und Schwächen der Schule - so lauteten nach dem Bericht fast alle Rückmeldungen. Es schälen sich auch erste allgemeine Trends heraus: "In allen Schulen wurde deutlich, dass Schwächen in der Unterstützung des aktiven Lernprozesses der Schüler durch Lehrkräfte liegen". Eine andere Erfahrung ist, dass eine Schule um so besser abschnitt, wenn der Schulleiter "die Schulgemeinschaft durch eigenes Vorbild" stärke und "Führungsverantwortung" zeige.
Dies wird im Landesmaßstab noch gravierender sein. Denn die Test-Schulen waren motivierte und eher leistungsstarke Einrichtungen - sie haben auf freiwilliger Basis an diesem externen Check teilgenommen. Der Abschlussbericht geht davon aus, dass es zunächst Akzeptanzprobleme geben wird, wenn die externen Teams an "normale" Schulen gehen. Aber nur wenn es gelinge, Akzeptanz herzustellen, könne die Schulvisitation ein geeignetes Instrument werden, die Qualität der Brandenburger Schulen zu verbessern - so ein Fazit.
Laut Bericht wird der finanzielle und personelle Aufwand für diese externe Überprüfung der Schulen deutlich höher als vom Bildungsministerium geplant. So würden die Teams (rund 30 Mitarbeiter landesweit) statt der vorgesehenen 180 Schulen nur 150 Schulen pro Jahr schaffen. "Die Pilotphase hat gezeigt, dass die personelle Ausstattung für das gesamte Aufgabenspektrum der Schulvisitation zu gering ist." Aus den Schulen wurde zudem bemängelt, dass die Visitatoren nur kurz - nämlich 20 Minuten - in eine Unterrichtsstunde hinein schnuppern. Dies reiche aus, heißt es dazu im Bericht, "die dominierende Unterrichtskultur in der Schule hinreichend bewerten zu können.

Zum Thema Probleme im Konzept
 Kritiker der "Schulvisitation" halten Verfahren und Standards noch nicht für ausgereift. So ist dem Abschlussbericht das Votum eines Experten angefügt, der die Bewertungen der 29 Schulen untersucht hat. Er stellt als Fazit fest, "dass der Kern der Schulvisitation, die Einschätzung der Unterrichtskultur und das Handeln der Schulleitung, nur in Ansätzen erfasst werden kann". Und: "Dies ist nicht den Visitatoren anzulasten. Die Probleme liegen im Konzept."