Die Leitung der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz solle sich dafür bei der Landesregierung stark machen. Gegen von Hagens müssten strafrechtliche Mittel geprüft werden, sagte Bischof Wolfgang Huber. Die Synode beklagte, dass besonders Kinder und Jugendliche "durch die öffentliche Zurschaustellung präparierter Leichenteile in ihrer Wertebildung irregeführt werden".

Beim Plastinarium gehe es um ein Spektakel, "das Neugier kommerziell missbraucht". Mit Blick auf die Stadt Guben betonten die Synodalen: "Die Situation von Menschen, die durch Arbeitslosigkeit in Existenznot geraten sind, wird für eine menschenverachtende Produktion ausgenutzt."

So plane von Hagens einen schwunghaften Handel mit Plastinaten und eine offene Werkstatt. Das Kirchenoberhaupt warf dem Leichenpräparator "eine maßlose Agitation" für seine Einrichtung vor. Huber ermahnte alle Bildungsminister in der Region, keine Schulausflüge zum Plastinarium zu erlauben. Das Haus habe "keinen Bildungswert".

Rund 1000 Besucher hatten sich am Freitag das am Vortag offiziell eröffnete "Plastinarium" angesehen. Es umfasst eine Ausstellung zur Geschichte der Anatomie und zum Plastinationsverfahren sowie eine Schauwerkstatt und einen Schauraum.

"Ich kann die Kirche verstehen", sagte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). Als Kommunalaufsicht habe sein Haus keine Möglichkeit, das "Plastinarium" zu verhindern. Das habe eine Prüfung ergeben.

Bei der Eröffnung am vergangenen Donnerstag hatten Mitglieder des Aktionsbündnisses für Menschenwürde mit Transparenten und einer Mahnwache vor dem Gebäudekomplex gegen das Zurschaustellen von Leichen protestiert. Scharfer Protest kam auch von der Sektion Politische Psychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

(dpa/jas)