Im Rennen um die nächste sächsische Landesausstellung hat Zwickau gewonnen. Sachsens viertgrößte Stadt darf 2018 die Schau zur Industriekultur austragen, das entschied das CDU-FDP-Kabinett am Dienstag in Dresden.

"Ausgesprochen dankbar" ist Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). Die Schau biete Stadt und Region eine "große Chance, auf sich aufmerksam zu machen und zahlreiche Besucher für Südwestsachsen zu interessieren", sagte Findeiß. Man bringe schließlich gute Voraussetzungen mit. Insbesondere eine denkmalgeschützte Industriebrache namens Horch-Hochbau, die von allen acht eingereichten Bewerbern am meisten überzeugt hat.

Die 100 Jahre alte Autofabrik bietet auf vier Etagen 10 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Der Bau ist geschichtsträchtig, steht für den Aufstieg der Zwickauer Horch-Werke zum Automobilgiganten Audi und ist nach Auffassung der Kunstministerin passend für die "kuratorisch hochspannende Aufgabe" einer Ausstellung zum Thema Industriekultur.

Allerdings ist die alte Autofabrik leer und marode, dort lagern nur noch Ersatzteile. Für 15 Millionen Euro will der Freistaat den Horch-Hochbau ausstellungsreif sanieren. Für die Zeit danach stehe der Zwickauer Autozulieferer Fes als Nachnutzer des Gebäudes bereit, so Schorlemer (parteilos). Das hat in einer aufwendigen Auswahl Mitbewerber wie das Freiberger Porzellanwerk, das Oelsnitzer Bergbaumuseum und die Hempelsche Fabrik in Plauen ausgestochen. Auch Chemnitz konnte sich mit seinem Konzept rund um das Industriemuseum, den Poelzig-Bau und die Union-Maschinenfabrik nicht durchsetzen. Entsprechend angefressen zeigte sich gestern Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD), schließlich sei Chemnitz "eine der wesentlichen Industriestädte Europas".

Die Stadt war schon vor Monaten mit ihrer Bewerbung in die Offensive gegangen - und setzt nun auf ein dezentrales Konzept für die Ausstellung 2018. Das brauche es auch, um "die Stärke und das Potenzial der Industrieregion authentisch abzubilden", so Ludwig. Industriekultur ohne Chemnitz, das gehe nicht.

Auch unter dem von Wissenschafts- und Kunstministerin Sabine von Schorlemer angekündigten "Jahr der Industriekultur 2018" kann man sich in Chemnitz nichts vorstellen. Konkrete Vorstellungen dazu hat auch die Ministerin noch nicht.

Es gehe darum, "ein dezentrales regionales Netzwerk" aus Institutionen und Initiativen einzubinden, um die einzigartige Kulturgeschichte des industriellen Zeitalters in Sachsen erlebbar zu machen. Man sei auch zuversichtlich, dass die Schau von Zwickau aus in die Region Südwestsachsen ausstrahlen werde.

Sauer sind indes die Linken, sie pochen auf einen Landtagsbeschluss von 2011, der die Ausstellung mit "Schwerpunkt in der Region Chemnitz" verortet habe. Dass nun Zwickau kommt, sei "undemokratisches Vorgehen", gegen das die Fraktion bereits Beschwerde eingereicht hat.

Zuletzt gastierte die Landesausstellung 2011 im Kaisertrutz von Görlitz. Die Schau zu 800 Jahren Via Regia kostete 6,7 Millionen Euro und hatte 170 000 Gäste.

Zum Thema:
Sächsische Landesausstellungen sollen laut Kunstministerium "Identität und Heimatverbundenheit stärken, das Geschichtsbewusstsein fördern und einen Beitrag für die Strahlkraft Sachsens als Kulturland auch außerhalb der Landesgrenzen leisten". Die erste Landesausstellung 1998 im Kloster Sankt Marienstern in Ostsachsen stand unter der Überschrift "Zeit und Ewigkeit - 128 Tage" und widmete sich dem Mittelalter, sakraler Kunst und kirchlicher Kulturgeschichte. 2004 folgte Torgau mit "Glaube und Macht - Sachsen im Europa der Reformationszeit". 2011 war Görlitz der Platz für eine Schau zur alten Handelsstraße Via Regia. Im Mittelpunkt der 4. Landesausstellung 2018 in Zwickau steht die Industriekultur des Landes.