Das passiert allerdings viel zu selten, rügt jetzt Sachsens Landesrechnungshof. Der hat bei den drei kreisfreien Städten Leipzig, Chemnitz und Dresden nachgefragt und kommt in seinem neuen Bericht zu dem Schluss, dass sich die Unterhaltsvorschüsse oft als Millionengrab erweisen.

Nur zehn Prozent zurück

Insgesamt 22 Millionen Euro haben die drei Städte demnach im Jahr 2010 an Unterhaltsvorschüssen bewilligt. Zurück flossen nur etwa 2,2 Millionen - also zehn Prozent. Der Befund des Rechnungshofs: "Erhebliche Defizite des Vollzugs", heißt es im Bericht. "Gerade Leipzig lässt zu hohe Beträge auflaufen", moniert Rechnungshof-Abteilungsleiter Peter Teichmann. Dort sank die Rückholquote demnach innerhalb von zwei Jahren von zwölf auf unter sieben Prozent.

Dass ausgerechnet die Messestadt ins Visier der Rechnungsprüfer gelangt, kann nicht verwundern. Dort tobt zurzeit der Kampf ums Rathaus. Ende Januar wird der neue Oberbürgermeister gewählt. Die Aussichten des Amtsinhabers Burkhard Jung (SPD) sind nicht schlecht - auch weil die CDU sich bei der Kandidatenkür mal wieder schwer getan und in der Not den parteilosen Polizeipräsidenten Horst Wawrzynski auf den Schild gehoben hat.

Kritik an der Stadtverwaltung fällt deshalb auf fruchtbaren Boden - gerade dann, wenn sie das viel gescholtene Amt für Jugend, Familie und Bildung betrifft. Dessen Chef Siegfried Haller steht schon seit Längerem unter Beschuss. Erst musste er wegen Plagiatsvorwürfen seinen Doktortitel abgeben. Dann geriet sein Amt wegen des Todes einer Drogensüchtigen und ihres zweijährigen Sohns in die Kritik.

Und auch im Skandal um eine Jugendbande, die monatelang Läden ausraubte, machte Haller keine gute Figur. Es folgten Unklarheiten über den Bedarf an Krippenplätzen. Und nun der Vorwurf des Rechnungshof-Chefs Karl-Heinz Binus (CDU), die Stadt Leipzig würde "den Rückgriff gegen Unterhaltsschuldner nur nachrangig behandeln".

Dabei beschäftigt Leipzig laut Bericht 21 Vollzeit-Mitarbeiter mit Unterhaltssachen. Zum Vergleich: In Dresden sind es 16 und in Chemnitz zehn. Diese Mitarbeiter seien aber in Dresden und Chemnitz deutlich fleißiger als die Leipziger, hat der Rechnungshof errechnet.

Leipzig gelobt Besserung

So kommt Siegfried Hallers Amt auf einen Berg von 15 Millionen Euro an offenen Unterhaltsforderungen. Mehr noch: "Durch das verzögerte Verfahren entgingen der Stadt nicht nur eigene einzuziehende Rückeinnahmen, auch die an den Bund und den Freistaat abzuführenden Rückerträge wurde nicht eingenommen", heißt es in dem Bericht. Die Leipziger Stadtverwaltung gelobt Besserung: Sie hat nach RUNDSCHAU-Informatione angekündigt, die Rückholpraxis umzuorganisieren.