Mehr als 6000 Menschen haben bisher eine Online-Petition des Brandenburger Eltern-Kita-Beirates unterzeichnet, die noch bis Ende September läuft. Ihre Überschrift formuliert das Ziel: „Worauf warten? Mehr Qualität und Beitragsfreiheit jetzt.“ Ziel  sei es, damit schon vor der Landtagswahl Druck auf die künftig Regierenden auszuüben, betont Catharina Kahl. Zusammen mit Danilo Fischbach bildet sie das Sprecher-Duo des Landesbeirates.  Die RUNDSCHAU sprach mit ihr.

Frau Kahl, wo drückt die Kitas aus Sicht des Landeskitabeirats der Schuh am meisten?

Kahl Es geht um Grundsätzliches. Nach 25 Jahren muss das Brandenburger Kita-Gesetz reformiert werden. Es ist jetzt  eher ein Flickenteppich, der weder  Eltern noch Kindern noch Kommunen geholfen oder Verbesserungen herbeigeführt hat. Wir brauchen einen großen Wurf.

Was fordern Sie  konkret?

Kahl Jetzt endlich muss eindeutig definiert werden, wer zahlt eigentlich was und wer ist wofür verantwortlich. Sprich, die Kita-Finanzierung muss gesetzlich eindeutig geregelt werden. Jedem muss zweifelsfrei klar sein, wer für welche Kosten aufkommt. Da gibt es immer noch ein großes Durcheinander. Am Ende müssen Gerichte über unterschiedliche Auslegungen der Regeln durch Kommunen, Träger und Kitas entscheiden. Oft erst nach langer Wartezeit und häufig zu Ungunsten der Eltern.

Kommunen beklagen oft, dass das Geld nicht ausreicht, um die im Gute-Kita-Gesetz festgeschriebenen  Regeln umzusetzen...

Kahl Auch das ist im Gesetz  etwas schwammig formuliert. Die Mittel aus dem Gute-Kita-Gesetz werden in Brandenburg ja auch in die Beitragsfreiheit für Kinder von Geringverdienern investiert. Nach geltendem Recht aber hätten diese Mädchen und Jungen  auch bisher in Teilen schon von der Beitragspflicht befreit sein müssen.

Die Eltern hätten die Beitragsfreiheit beantragen können?

Kahl So ist das. Diese Forderung an die Eltern ist aber immer eine Art Papiertiger geblieben. Das hat wahrscheinlich dazu geführt, dass nur wenige Anträge gestellt haben. Aus den verschiedensten Gründen. Es war eine bürokratische Hürde, die nicht alle Eltern nehmen wollten oder konnten.

Der Wegfall dieses bürokratischen Aufwandes macht jetzt einiges einfacher.

Kahl Und das ist gut. Und auch, dass die Beitragsfreiheit   auch auf die Empfänger von Wohngeld erweitert wurde. Diese Eltern waren nach dem Landesrecht bisher davon ausgenommen.

Aber Sie wollen mehr, auch weil die Beiträge von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich ausfallen?

Kahl Unser Ziel ist eine komplette Beitragsfreiheit für Kinder. Kindertagesstätten erfüllen einen wichtigen Bildungsauftrag. Und Bildung sollte kostenlos sein.

Das ist eine der Forderungen, die Sie in der Petition des Elterbeirates formuliert haben. Welche weiteren Ziele verfolgen Sie?

Kahl Enorm wichtig ist, dass der Personalschlüssel dem tatsächlichen Betreuungsbedarf in den jeweiligen Kitas angepasst wird.

Wo hakt es da?

Kahl Aus den Einrichtungen hören wir immer wieder, dass die Kita-Schlüssel  der Realität nicht standhalten. Denn sie berücksichtigen nicht, dass Erzieher auch krank werden, Urlaub haben. Außerdem werden auch Auszubildende in erheblichem Maße auf den Schlüssel angerechnet. Das muss sich ändern.

Apropos Auszubildende. Bereits vor einem Jahr hat  der Beirat gefordert, dass  die Erzieherausbildung neu gestaltet werden muss. Dass es nicht sein kann, dass Azubis Schulgeld zahlen müssen.

Kahl Vor allem die Ausbildungsfinanzierung muss reformiert werden, um mehr junge Leute zu motivieren, diesen Beruf zu ergreifen. Denn es mangelt ja nicht nur in Brandenburg an gut ausgebildeten Fachkräften, sondern in ganz Deutschland.

Als Sie den Landeselternbeirat vor einem Jahr gründeten, formulierte er als Ziel mehr Mitsprache- und Mitwirkungsrechte der Eltern. Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung?

Kahl Da wir sind vorangekommen. In vielen Kreisen gibt es bereits Beiräte. Weiße Flecken werden im Zuge der Kreiselternbeiratswahlen nach und nach verschwinden. Denn in einer Novelle des Kitagesetzes wurde festgelegt, dass für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt ein Kreis-Kitaelternbeirat zu bilden ist. Und dann wird immer auch ein Elternvertreter  in dem jeweiligen Jugendhilfeausschuss dabei sein.

Mit Catharina Kahl
sprach Verena Ufer

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Cottbus/Potsdam