Er reagierte damit auf Irritationen in der Partei, die ein Beschluss der Führungsspitze zur Oberbürgermeisterwahl in Cottbus ausgelöst hatte: Danach will die Landes-Union Pläne der Cottbuser CDU nicht blockieren, den eigenen Oberbürgermeisterkandidaten Holger Kelch auch von der Linkspartei unterstützen zu lassen. Man verständigte sich lediglich auf die Formel, dass es "keine institutionelle Zusammenarbeit" mit der Linkspartei geben dürfe.
Der dortige Kreischef Michael Schierack sieht sich bestärkt, an der gemeinsamen Plattform von CDU, PDS, FDP, Frauenliste und unabhängiger Wählervereinigung festzuhalten, die Kelch unterstützen will. Bleibt es bei dieser Allianz, würden die Chancen von Infrastrukturminister Frank Szymanski, der gestern auf einer Mitgliedervollversammlungvon der SPD als Kandidat bestätigt wurde, geschmälert. "Es ist eine Entscheidung der Cottbuser CDU, die der besonderen Situation der Stadt Rechnung trägt", erklärte Schönbohm. Es gehe um keine Koalition mit der PDS. Er habe Verständnis, dass angesichts der Krise der Stadt nach der Abwahl der bisherigen Oberbürgermeisterin Karin Rätzel der CDU-Beigeordnete Kelch "als überparteilicher Kandidat" antreten will - mit Blick auf eine möglichst breite Mehrheit in der Bürgerschaft. "Wenn ihn andere unterstützen, ist dies Sache derer, die das tun. Wenn die PDS dabei ist, wird die CDU sich nicht dagegen wehren."
Umstritten bleibt in der Landespartei, dass die Cottbuser Parteifreunde ein gemeinsames Positionspapier mit der PDS und den anderen Mitgliedern der Plattform unterzeichnet haben, in dem eine gemeinsame Stadtpolitik bis 2008 verabredet wird. Schönbohm sagt dazu: Es sei Sache der Cottbuser CDU und eine lokale Angelegenheit, wenn man sich mit anderen Fraktionen auf kommunalpolitische Eckpunkte verständige. "Die CDU ist keine Kaderpartei."
Vor der Führungsklausur der CDU hatten Schönbohm, sein designierter Nachfolger an der Parteispitze, Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns, Justizministerin Beate Blechinger und Wissenschaftsministerin Johanna Wanka öffentlich vor einer CDU-PDS-Allianz in Cottbus gewarnt. Blechinger sprach sogar von einem "Sündenfall". Und der Streit geht weiter. "Ein Wählerbündnis ist institutionelle Zusammenarbeit", kritisierte der Potsdamer CDU-Kreischef Wieland Niekisch, der nicht dem CDU-Landesvorstand angehört. Es gebe aber offenbar eine "machtbewusste Gruppe in der CDU, der gleichgültig ist, welche Belastung das für die Partei bedeutet". Der Cottbuser Kreisverband war unter anderem von CDU-Vizelandeschefin Barbara Richstein, Generalssekretär Sven Petke, den Kreis chefs Saskia Funck, Dieter Dombrowski und Michael Stübgen unterstützt worden.