Es ist ein Jahr her, dass an der BTU Cottbus-Senftenberg das Innovationszentrum Moderne Industrie (IMI) Brandenburg an den Start gegangen ist. Die Wissenschaftler um Prof. Ulrich Berger, dem Lehrstuhlleiter Automatisierungstechnik, hatten eine Online-Plattform in Sachen Industrie 4.0 erarbeitet. Sie sollte nicht nur darstellen, was Digitalisierung der Wirtschaft bedeutet. Vielmehr war es eine Einladung an Kleinbetriebe und Mittelständler, sich externes Wissen sowie Experten der BTU in das Unternehmen zu holen, um Arbeitsprozesse ins digitale Zeitalter zu überführen.

Ein Jahr später zeigt sich IMI-Projektleiter Oliver Stecklina mit der Resonanz nicht unzufrieden. Denn es gibt inzwischen mehr als 100 Kontakte mit Brandenburger Mittelständlern, von denen 27 bereits in konkrete Projekte gemündet seien. Was den EU-Kommissar für digitale Wirtschaft Günther Oettinger am Montag im BTU-Innovationszentrum überrascht und überzeugt hat: Die BTU biete ihre Leistungen an, gehe selbst mit Wissenschaftlern in die Unternehmen und suche mit den Betrieben nach effektiven Lösungen. "Dieses Profil ist in Deutschland nicht so häufig anzutreffen", lobt Oettinger das Beratungsangebot der Wissenschaftler.

Der EU-Kommissar ist in den nächsten Wochen in mehreren europäischen Ländern unterwegs, um das Feld zu sondieren für eine europäische Plattform für die Industrie 4.0, die im Kern die Plattformen der 28 EU-Länder verreinigt. Dabei gehe es um Vereinheitlichung auf dem Weg der Digitalisierung bei einem Höchstmaß an Sicherheit, betonte Oettinger, der von Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) an die BTU eingeladen worden war.

Der Potsdamer Regierungschef, der mit den Ministern Martina Münch (Wissenschaft) und Albrecht Gerber (Wirtschaft/beide SPD) nach Cottbus gekommen war, lobte "eine ganze Reihe von inzwischen in Gang gesetzten Projekten und passgenauen Strategien für Firmen". Er hielt aber auch mit seiner Sorge nicht hinterm Berg, dass Mittelständler den Zug der Digitalisierung verpassen könnten. "Weil jetzt Auftragsbücher voll sind und sich die nächste Generation darum kümmern soll", sagte Woidke und fügte hinzu: Dann könne es zu spät sein.

Für den Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus Wolfgang Krüger muss das IMI vor dem Hintergrund des Strukturwandels in der Lausitz eine langfristige Perspektive über das Ende der EU-Förderperiode 2017 hinaus bekommen. Der EU-Kommissar zeigte sich zuversichtlich, dass es da keine Abstriche geben werde.