"Ich finde es nicht gut, dass wir weiße Flecken auf der Landkarte haben", sagte Rupprecht. Er sieht aber keinen Ansatz, dies zu ändern. Als Gründe führte der Minister einerseits das Veto von Landkreisen wie Uckermark, Prignitz und Oberhavel an, die Finanziers und Träger der Schulen sind. "Wir haben das zu akzeptieren."
In den neuen Brandenburger Begabtenklassen sollen ab Schuljahr 2007/2008 leistungsstarke Kinder schon nach der 4. Klasse und nicht wie üblich nach der 6. Klasse auf die Gymnasien wechseln dürfen (die RUNDSCHAU berichtete). Im ge-samten Norden Brandenburgs wird es nun aber kein einziges staatliches Gymnasium mit diesem Angebot geben, obwohl das Ministerium landesweit 34 Klassen genehmigt hat. Auch in Elbe-Elster wird keine Klasse eingerichtet, weil das Ministerium die Konzepte zweier Gymnasien für nicht ausreichend hielt, zuletzt das Elsterschloss-Gymnasium in Elsterwerda.
Rupprecht appellierte an die Schulen, sich "nicht in die Schmollecke" zurückzuziehen, sondern es mit ausgefeilten Konzepten im nächsten Anlauf erneut zu versuchen. Allerdings wies der Minister angesichts der "weißen Flecken" darauf hin, dass die Elite-Klassen "nicht der einzige Weg der Begabtenförderung" seien. So sollen in jedem Schulamt "Begabungsstützpunkte" eingerichtet werden, wo Eltern solcher Kinder Rat suchen können.
Aber nicht nur bei der Begabungsförderung steht Brandenburg vor Herausforderungen in der Bildungspolitik. "Wir gehen schweren Zeiten entgegen", erklärte Rupprecht. Einerseits müssen nach seinen Worten bis 2014/2015 wegen sinkender Schülerzahlen 50 bis 60 der 156 Gymnasien und Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe geschlossen werden. Um trotzdem unzumut-bar lange Schulwege zu vermeiden, will das Ministerium für eine Übergangszeit auch kleinere Klassenstärken an Gymnasien zulassen. Wie dramatisch der Einbruch sein wird, verdeutlichte Rupprecht an folgender Zahl: Während heute 14 400 Schüler in der 11. Klasse lernen, werden es 2010/2011 nur noch 6100 Kinder sein.
Andererseits drohe wegen einer Pensionierungswelle in der Lehrerschaft ein Lehrermangel, sodass ab 2014/2015 jährlich 600 junge Lehrer neu eingestellt werden müssen. Rupprecht befürchtet, dass es "schwierig wird, diese zu finden." Das Ministerium will eine Werbekampagne für den Lehrerberuf starten.