Um die zurückliegende Hochwasserkatastrophe wird es gehen, wenn der Haushaltskommissar der Europäischen Union (EU), Janusz Lewandowski, heute in Dresden mit Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) zusammentrifft.

Zwar sollen auch Sachsens Interessen in der neuen EU-Förderperiode ab 2014 zur Sprache kommen. Nun aber kann Tillich dem Gast aus Brüssel den weiterhin hohen Förderbedarf im Freistaat bei einem Rundflug über die Gebiete veranschaulichen, die Anfang Juni in den Fluten versanken.

Danach reist Lewandowski weiter nach Sachsen-Anhalt. Die Schäden, die das Juni-Hochwasser in Sachsen hinterlassen hat, schätzt die schwarz-gelbe Staatsregierung auf zwei Milliarden Euro.

Insbesondere die Schäden in der Landwirtschaft wiegen diesmal schwerer als bei der vorigen Jahrhundertflut von 2002 - damals, im August, war die Ernte bereits eingefahren.

Diesmal liegt die Ernte vielerorts unter dickem Schlamm begraben, den das Wasser zurückgelassen hat. Am Montag hat Landwirtschaftsminister Frank Kupfer (CDU) die Förderbedingungen für vom Hochwasser betroffene Landwirtschaftsbetriebe bekannt gegeben. Demnach wird ab einem Schadenswert von 5000 Euro die Hälfte bezuschusst.

Forstbetriebe können bis zu 200 000 Euro erhalten, Fischereien bis zu 30 000. Für Schäden ab 25 000 Euro werden Gutachten erforderlich, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Die Anträge laufen über die Sächsische Aufbaubank (Sab).

Unterdessen diskutiert Sachsen, ob in flutgefährdeten Siedlungen weiter gebaut werden soll. Forderungen, das Bauen in den Auen lieber zu lassen, kamen bislang hauptsächlich von den Umweltverbänden. Nun kommen sie auch aus der schwarz-gelben Staatsregierung. Umweltminister Kupfer forderte jüngst Städte und Gemeinden auf, Bebauungspläne entlang der Gewässer neu zu prüfen. Jede Bebauung, so der Minister, koste Retentionsraum, den das Wasser zum Ausbreiten braucht. Deshalb Kupfers klare Ansage: "Gemeindeegoismen bei der Schaffung von Wohn- oder Gewerbegebieten sind deshalb absolut fehl am Platze."

Zudem soll in Sachsen mit dem neuen Wassergesetz das flussnahe Bauen eingeschränkt werden. Darin wollen CDU und FDP eine neue Kategorie von überschwemmungsgefährdeten Regionen einführen. "In solchen Gebieten können Schäden zum Beispiel dadurch vermieden werden, dass man im Keller eines Einfamilienhauses auf eine Einliegerwohnung verzichtet", so Kupfer. "Dies können dann auch die zuständigen Behörden anordnen."

Dass Schwarz-Gelb offen von solcherlei Einschränkungen für die Bürger spricht, ist neu. Noch im vergangenen Sommer, als zehn Jahre nach der Jahrhundertflut von 2002 Bilanz beim Hochwasserschutz gezogen wurde, lag die Betonung seitens der Staatsregierung ganz klar auf dem technischen Hochwasserschutz. Bis 2020 will der Freistaat hier eine Milliarde Euro investieren - die Hälfte davon ist bereits verbaut.

Das Geld fließt größtenteils in neue Staumauern und Dämme, insgesamt hat die Landestalsperrenverwaltung 382 Baumaßnahmen auf der Liste, die bis 2020 abgearbeitet sein soll.

Nun redet Minister Kupfer zudem davon, dort, wo es geht, Ufermauern zu entfernen und Ufer in einen naturnahen Zustand zu versetzen.

Sachsens Grünen-Chef Volkmar Zschocke begrüßt das zwar, erinnert aber daran: "Jahrelang hat der Freistaat die Bebauung von Flussauen nicht nur zugelassen, sondern zum Teil sogar gefördert. Die Kommunen brauchen mehr als kluge Ratschläge. Sie brauchen konkrete Unterstützung", so Zschocke.

Förderung sei nicht nur bei der Renaturierung der Fließgewässer notwendig, sondern auch bei der Flächenentsiegelung, beim Rückbau von Infrastruktur in besonders gefährdeten Gebieten und beim Betrieb mobiler Flutschutzelemente - anstelle von Mauern.

Zum Thema:
Ausflugs- und Erholungsorte entlang der Elbe in Sachsen setzen nach dem Hochwasser auf den Rest-Sommer. "Die Stimmung ist gut", sagte der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz, Tino Richter, am Montag. Von einer Stornierungswelle wollten zwar auch die Meißner Region und die Dehoga Sachsen nicht sprechen. Absagen gebe es aber, sogar weit über die Saison hinaus und in Gegenden, die höher oder weit vom Wasser weg liegen. Dabei haben auch von der Katastrophe betroffene Gastgeber provisorisch längst wieder auf und teilweise die Generalsanierung in den Winter verlegt. In der Sächsischen Schweiz, einem der beliebtesten Urlaubs- und Ausflugsgebiete des Freistaates, sind die Hotels wieder gut gefüllt und jede Woche eröffnen weitere Häuser. Nur Einrichtungen mit großen Schäden bleiben länger geschlossen, wie die Elbresidenz Bad Schandau, die erst 2014 wieder öffne. "Für die ist das Jahr gelaufen", sagte Verbandschef Richter. Im Hotel Venetia in Schmilka nahe Tschechien dagegen sehe es schon wieder so aus, "als wäre nichts gewesen". Und 85 Prozent der Einrichtungen waren laut Richter gar nicht betroffen. Er geht trotzdem von einem Umsatzminus zwischen zehn und 20 Prozent für das Jahr aus. "Das ist auch nicht mehr aufzuholen", fügte er hinzu. dpa/uf