Brandenburgs Lehrerausbildung soll nach dem Willen der rot-roten Landesregierung an Qualität gewinnen und auf die Zukunft vorbereitet werden. Doch das Gesamtkonzept, das der Bildungsausschuss des Landtages gefordert hat und am heutigen Donnerstag debattieren will, ist bei Experten schon vorab durchgefallen. Vor allem zur Referendar-Ausbildung ist der Tenor einhellig: Das Land verabschiedet sich von seiner anerkannt gute Lehrerausbildung. „Sie wird ohne Not aufs Spiel gesetzt“, bringt es Bildungsausschuss-Mitglied Andreas Büttner (FDP) auf den Punkt.

Im Zentrum der Neuorganisation steht die Reduzierung der Praxismonate, in denen nach Studienabschluss an der Uni die Stoffvermittlung an die Schüler gelehrt wird. Statt in 18 soll dies nach dem Entwurf künftig in 15 Monaten erledigt werden. Die Verantwortung dafür wird von den drei Studienseminaren des Landesinstitutes für Lehrerbildung an die Schulleiter übertragen. Einem neuen Ausbildungskoordinator soll eine Klammerfunktion zukommen. „Ein einziger Koordinator für diese Aufgabe – das ist ein Witz“, zeigt sich der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, erbost.

Nach seiner Einschätzung geht das rot-rote Konzept „ein ganzes Stück an den Realitäten vorbei“. Die drei Studiensemiare hätten sich tatsächlich nicht bewährt. Dies betreffe aber nicht die qualitativ gute Arbeit im System der Seminarleiter und Ausbildungslehrer. „Vielmehr sind drei Studienseminare im Land zu wenig. Sie gehören weiter regionalisiert – gerade vor dem Hintergrund der demografischen Herausforderungen“, betont Fuchs.

Das Bildungsministerium will diese Funktion der Studienseminare künftig den Schulleitern vor Ort überstülpen. Sie sollen die Ausbildungspläne entwerfen, den Einsatz der Ausbildungslehrer koordinieren und letztlich auch die Abschlussbeurteilung verfassen. Die Vereinigung der Gymnasialschulleiter des Landes hat ihre Kritik dazu an das Bildungsministerium übermittelt. „Doch da hört uns ja niemand“, erklärt der Landesvorsitzende Volker Freitag. Der Schulleiter des Marie-Curie-Gymnasiums in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) weiß, wovon er spricht: Die Ausbildung auf 15 Monate zu reduzieren, das könne keinem Lehrer erklärt werden. Denn dann würden mitten im Schuljahr Referendare die Schule verlassen und müssten ersetzt werden, ohne dass Lehrer zur Verfügung stünden. „15 Monate geht gar nicht“, urteilt Freitag aus seiner Perspektive. Das 60-Seiten-Papier des Ministeriums „muss an den Grundpfeilern nachgebessert werden“. Dazu gehöre für Freitag auch, dass Schulleiter natürlich nicht auf dem neuesten didaktischen und methodischen Stand der Lehrerausbildung seien. „Wir schätzen die Arbeit der Studienseminare. Ihre Aufgaben können wir nicht nebenbei mit übernehmen.“

Für Volker Freitag bewegt sich die Ausbildung der Lehrer in Brandenburg künftig auf eine „Berufsausbildung ohne Berufsschule“ zu. FDP-Fraktionschef Andreas Büttner kann im vorliegenden Regierungsentwurf „kein schlüssiges pädagogisches Konzept“ erkennen. Damit werde es keine qualitativen Verbesserungen geben „und vor allem kommt keine Ruhe ins System“. Büttner hofft, dass sich die Koalition nach den Protesten aus dem Land noch von ihren Vorhaben abbringen lässt. „Es kann aber auch sein, dass Rot-Rot das Konzept durchdrückt“, sagt Büttner.