Das Land Brandenburg prüft einen Kauf des von Schließung bedrohten Bahnwerks Eberswalde. Die Bahn bot der Landesregierung am Freitag die Übernahme für einen symbolischen Euro zum 1. Januar 2016 an. „Das ist nicht die beste Nachricht, die wir hier mitgebracht haben“, sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) nach einem Spitzengespräch in der Konzernzentrale in Berlin vor Beschäftigten des Werks. Man werde das Angebot aber sorgfältig prüfen. Die Bahn will das Werk mit 350 Mitarbeitern Ende 2016 schließen.

„Wir wollen, dass der Standort Eberswalde erhalten bleibt“, bekräftigte Gerber. Er betonte jedoch auch: „Die Landesverwaltung ist kein Betreiber von Bahnwerken.“ Das Land habe jedoch die Möglichkeit, das Werk an einen Investor zu verkaufen. Die Bahn hat demnach mit zwei Interessenten über einen Verkauf verhandelt, jedoch keine Einigung erzielt.

Bei einem Kauf des Werks könnte das Land alle Beschäftigten übernehmen, mindestens jedoch 200. Das sei Bestandteil des Angebots, teilte die Bahn mit. Demnach könnte das Werk für einen symbolischen Euro zum 1. Januar 2016 an das Land übergehen - einschließlich des Geländes, der Anlagen und Vorräte sowie der Aufträge für 2016. Laut Gerber hat das Land bis zum 15. Januar Zeit, sich zu entscheiden.

„Das Ping-Pong-Spiel geht weiter“, sagte der Betriebsratschef des Werks, Ulf Boehnke. „Die Bahn hat sich aus der Verantwortung gestohlen und den Ball zur Politik gespielt.“ Das bedeute jedoch eine Chance für das Werk. Ein Weiterverkauf durch das Land sei die einzige Möglichkeit, die sich noch biete.

Die Brandenburger Linke kritisierte das Angebot. „Es ist der Versuch der Bahn, die Verantwortung auf die öffentliche Hand abzuwälzen - und zwar auf dem Rücken der Beschäftigten“, sagte der Fraktionschef der Linken im Landtag, Ralf Christoffers, am Freitag. „Es bleibt eine unverantwortliche Entscheidung der Bahn, weil es keine wirtschaftlichen Gründe gibt, das Werk zu verkaufen.“

Der Vize-Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Klaus-Dieter Hommel, nannte das Angebot einen Schritt nach vorn. Einige Beschäftigte des Werks reagierten mit Buh-Rufen und riefen: „Wie lange denn noch?“ Hommel betonte, die Gewerkschaft wolle erreichen, dass ein neuer Eigentümer eine Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeiter ausspreche und das jetzige Tarifgefüge übernehme.

Einer der Bieter, mit der die Bahn nicht einig wurde, ist die Eisenbahnservice AG aus der Prignitz. Sie will 100 Beschäftigte übernehmen.

Der Kampf um das Bahnwerk läuft schon seit über einem Jahr. Der bundeseigene Konzern hatte 2014 auch beschlossen, das Zwickauer Werk zu schließen. Die Bahn arbeitet bundesweit an einem neuen Konzept für die Instandhaltung, wie Konzernbetriebsratschef Jens Schwarz am Freitag sagte. Dies werde auch Thema bei der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch sein. Weitere Schließungen würden dort aber nicht beschlossen. Das Konzept solle im nächsten Jahr vollendet werden.