Im Dezember 2016 hatte das Brandenburger Landesparlament mehrheitlich ein Aufnahmeprogramm für verfolgte Jesiden beschlossen. Diese Entscheidung bekräftigte es im November 2017 erneut.

Zwischenzeitlich hatten die Friedensnobelpreisträgerin Nadja Murad und ranghohe jesidische Vertreter im Landtag gesprochen. „Wir haben in der Landesregierung ein Aufnahmeprogramm beschlossen, das sich gerade in der Abstimmung mit dem Bundesministerium des Inneren und dem Auswärtigen Amt befindet“, sagte Gorholt. Zwischen beiden Bundesministerien sei noch umstritten, wer für die Sicherheitsüberprüfungen der Flüchtlinge zuständig sei. Insgesamt sei die Zusammenarbeit aber hilfreich und kooperativ.

„Anfang 2019 werden Mitarbeiter der Landesregierung in den Irak reisen und Auswahlinterviews führen“, kündigte Gorholt. Daran sei auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) beteiligt. Es solle vorab Frauen mit Kindern aus der Gefangenschaft der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) auswählen. Im Anschluss daran werde ein Visa-Prozess eingeleitet, damit die ausgewählten Jesiden nach Brandenburg kommen können. Die Landesregierung habe bereits eine für die Unterbringung geeignete Immobilie mit einem kompetenten Träger gefunden. Auch die Kommune, in der die Immobilie liegt, sei bei diesem Thema „hoch engagiert“.

In der Vergangenheit war die Stadt Eberswalde besonders an der Aufnahme von Jesiden interessiert. Gorholt zufolge startete das Land im Sindschargebirge ein Gemeinschaftszentrum und ein Wohnprojekt für Frauen mit Kindern aus Vergewaltigungen. Ein weiteres Projekt sei derzeit in Planung.

Im Oktober hatten die Fraktionsvorsitzenden Ingo Senftleben (CDU) und Axel Vogel (Grüne) ein Schreiben an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gerichtet, in dem sie kritisierten, dass es zwei Jahre nach dem Beschluss eines Aufnahmeprogramms für Jesiden „sehr unbefriedigend“ und für das Land Brandenburg „beschämend“ sei, „dass nach solch langer Zeit keine konkrete Hilfe durch das Landesprogramm stattgefunden hat“. Ein entsprechender Beschluss im Land Baden-Württemberg sei in erheblich kürzerer Zeit umgesetzt worden.