Obwohl weniger Flüchtlinge in Griechenland ankommen, ist die Stimmung in den Flüchtlingslagern der Inseln explosiv: Allein auf Samos, Chios und Lesbos leben in den Regis trierzentren mittlerweile mehr als 7000 Menschen; Diebstähle und Auseinandersetzungen in den Lagern nehmen zu.

Nach Ausschreitungen im Abschiebelager auf Lesbos nehmen die Spannungen auf der Ägäis-Insel Chios zu. Eine Gruppe von Inselbewohnern blockiert seit Donnerstag die Zugangsstraße zum Lager, um die Anlieferung von zehn weiteren Wohncontainern zu verhindern, berichtete am Freitag die Athener Tageszeitung "Kathimerini". Die Insulaner wollten damit verhindern, dass noch weitere Flüchtlinge und Migranten im Lager aufgenommen werden.

Im Moment halten sich nach griechischen Angaben mehr als 2100 Flüchtlinge und Migranten auf der Insel auf. Das Lager ist aber nur für 1100 Menschen ausgelegt. Dort kommt es dem Bericht zufolge immer häufiger zu Diebstählen und Auseinandersetzungen zwischen Migranten.

Die Schutzsuchenden haben Angst, im Rahmen des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes in die Türkei abgeschoben zu werden. Ein Versuch, das Lager zu entlasten und 200 Flüchtlinge per Boot auf eine andere Insel zu verlegen, scheiterte am Mittwochabend. Auslöser waren Aktivisten, die den Migranten sagten, sie würden in die Türkei gebracht. Diese stürmten daraufhin wieder von Bord, rannten davon und versteckten sich auf der Insel vor der Polizei.

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber forderte die europäischen Regierungschefs auf, endlich die versprochenen Asylfachleute nach Griechenland zu schicken. "Wir in Brüssel haben unsere Aufgaben erledigt, aber leider Gottes die Staats- und Regierungschefs nicht", sagte der Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament am Freitag im "ZDF"-Morgenmagazin. Das betreffe nicht nur die versprochenen Asylfachleute und Übersetzer für Griechenland. Auch das zugesagte Geld für die Türkei zur Versorgung der Flüchtlinge sei von vielen Ländern noch nicht überwiesen worden. Europas Glaubwürdigkeit stehe zur Debatte, sagte Weber. Seit dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Pakts am 20. März können im Prinzip alle illegal nach Griechenland einreisenden Migranten zurück in die Türkei geschickt werden. Zuvor können sie aber einen Asylantrag stellen, der im Schnellverfahren geprüft werden soll.

Mangels Fachpersonals ziehen sich diese Verfahren in die Länge, und die Zahl der Flüchtlinge und Migranten in den "Hotspots" auf den griechischen Inseln, wo die Neuankömmlinge festgehalten werden, nimmt langsam, aber stetig zu. Bisher konnten von Griechenland nur wenige Hundert Migranten zurück in die Türkei geschickt werden - hauptsächlich Menschen, die erst gar keinen Asyl-Antrag gestellt hatten.

Von Donnerstag auf Freitag kamen in Griechenland insgesamt 38 neue Flüchtlinge an. Sieben von ihnen, eine syrische Familie, wurden von Bundespolizisten auf der Insel Samos durch eine waghalsige Kletteraktion gerettet. Die Flüchtlinge waren an einer Steilküste an Land gegangen und den Berg hochgeklettert, bis sie weder weiter noch zurück konnten.

Zwei Schiffe der deutschen Marine und andere Einsatzkräfte haben im Mittelmeer vor Libyen 599 Flüchtlinge aus Seenot gerettet. Wie die Bundeswehr am Freitag mitteilte, waren an dem Einsatz am Donnerstag unter anderen die Fregatte "Karlsruhe" und der Versorger "Frankfurt am Main" beteiligt.