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| 02:45 Uhr

Lästig und unnütz – EU-Parlamentarier kämpft gegen Zeitumstellung

Herbert Reul hofft auf baldiges Einlenken der Politik.
Herbert Reul hofft auf baldiges Einlenken der Politik. FOTO: dpa
In der Nacht zum morgigen Sonntag wird wieder an der Uhr gedreht – mit der Winterzeit bekommen die Bürger eine Stunde "geschenkt". Warum die Zeitumstellung endlich abgeschafft gehört, erklärt der Chef der Unionsgruppe im EU-Parlament, Herbert Reul (63/CDU), im Gespräch mit der RUNDSCHAU.

Herr Reul, freuen Sie sich nicht auf eine Stunde mehr Schlaf?

Nein, das ist wirklich kein Trost für mich.

Sie sind seit 2004 EU-Parlamentarier. Und ungefähr so lange kämpfen Sie auch schon gegen die Zeitumstellung. Warum?
Weil sie keinen Sinn macht. Die Zeitumstellung wurde eingeführt, um Energie zu sparen. Doch alle Untersuchungen sagen, das bringt nichts. Dafür kommt der Biorhythmus vieler Menschen durcheinander. Und Kühe zum Beispiel geben weniger Milch. Mancher Landwirt stellt die Melkzeiten im Stall deshalb über zwölf Tage in Fünf-Minuten-Schritten um. So eine softe Zeitumstellung gibt es für Menschen nicht.

In der EU ist die Zeitumstellung einheitlich geregelt. Warum, glauben Sie, hält Brüssel daran fest?
Das ist doch oft so in der Politik: einmal beschlossen, immer beschlossen. Will sagen, etwas zurückzunehmen ist immer schwerer durchzusetzen, als etwas neu einzuführen. Der Grund ist schlicht mangelnde politische Flexibilität.

Hat Brüssel nicht Wichtigeres zu tun?

Sicher. Zumal in Zeiten großer Flüchtlingsströme. Aber die EU-Kommission hat sich auch schon mit Glühbirnen beschäftigt. Sage mir also keiner, das Thema Zeitumstellung sei zu läppisch.

Laut einer Umfrage haben Sie 71 Prozent der Deutschen auf Ihrer Seite. Ob die Leute allerdings die Winterzeit auf Dauer wollen oder die Sommerzeit, bleibt offen. Was wollen Sie?
Ich wünsche mir, dass der Normalzustand, den wir immer hatten, einfach das ganze Jahr über bleibt.

Das war ursprünglich die Winterzeit. Aber die Sommerzeit hat den angenehmen Effekt, dass es abends länger hell ist. Überzeugt Sie das nicht?
Ich kann mir auch eine dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit vorstellen. Aber die Frage, ob man mehr oder weniger lang draußen sitzt, ist nach meiner Einschätzung keine Frage, wie hell oder dunkel es ist. Und an der einen Stunde hängt es garantiert nicht.

Haben Sie Hoffnung, dass Sie die Abschaffung der Zeitumstellung noch erleben werden?
Ja, hundertprozentig. Als ich im EU-Parlament damit angefangen habe, dachten alle, der spinnt. Inzwischen gibt es Petitionen im Bundestag mit 50 0000 Unterschriften sowie im EU-Parlament und Initiativen in zahlreichen anderen EU-Staaten wie Österreich, der Schweiz oder Finnland. In der kommenden Woche wird es im Europäischen Parlament eine Debatte dazu geben. Wenn der Druck so weiter steigt, wird die EU-Kommission aktiv werden. Darauf setze ich.

Mit Herbert Reul

sprach Stefan Vetter

Zum Thema:
70,3 Prozent der Deutschen wäre es am liebsten, die Zeitumstellung würde abgeschafft. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Gesundheitsmagazins "Apotheken Umschau". Zwei Drittel der Männer und Frauen (67,6 Prozent) glauben nicht, dass durch die Sommerzeit das Tageslicht besser genutzt und dadurch tatsächlich Energie gespart wird. Drei von fünf (60,0 %) finden es sehr lästig, alle Uhren im Haushalt umstellen zu müssen. Jeder Dritte kann der Zeitumstellung im Frühjahr etwas Positives abgewinnen: 35,7 Prozent betonen, sie freuten sich, denn dann könnten sie ihre Freizeit abends länger im Freien verbringen.