Mit einer landesweiten Aktionswoche will Brandenburg mehr junge Menschen für eine Berufsausbildung gewinnen. "In einigen Regionen gelingt es den Betrieben nur noch mit größter Anstrengung, ihre Lehrstellen zu besetzen", sagte Arbeitsministerin Diana Golze (Linke) zum Auftakt der Ausbildungsoffensive am Montag in Potsdam.

Mit Diskussionsveranstaltungen, Workshops und Vermittlungsbörsen sollen Jugendliche und junge Erwachsene über ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt informiert werden. Sechs Wochen nach dem Start des Ausbildungsjahres sind im Land noch rund 1000 Lehrstellen unbesetzt. "Noch nie waren die Chancen für junge Menschen so gut, einen interessanten Ausbildungsplatz zu finden", sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Die Herausforderung sei nicht mehr der Mangel an Ausbildungsplätzen. "Sondern es geht vielmehr darum, dass jeder Bewerber den richtigen Ausbildungsplatz findet."

Bis Ende September wurden in Brandenburger Betrieben knapp 8000 Ausbildungsverträge unterschrieben, hinzu kommen noch 1200 im Öffentlichen Dienst, in der Landwirtschaft und in den freien Berufen. Die Zahl der noch unversorgten Jugendlichen soll erst Ende Oktober vorliegen.

Golze wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich die Jugendlichen bei der Berufswahl nach wie vor auf nur wenige Branchen konzentrierten. Mehr als die Hälfte der jungen Frauen wählte zum Start des Ausbildungsjahrs Berufe wie Verkäuferin, medizinische Fachangestellte oder Friseurin. Bei den Männern ist es häufig der Kraftfahrzeugmechatroniker, Kaufmann im Einzelhandel oder Industriemechaniker. In Brandenburg gebe es aber mehr als 300 Ausbildungsberufe, betonte die Ministerin. "Es ist wichtig, dass die Jugendlichen das ganze Spektrum einbeziehen."

Auch im Freistaat Sachsen werden händeringend Azubis gesucht. Nach Angaben der Kammern waren hier in der vergangenen Woche immer noch rund 1000 Lehrstellen im Handwerk unbesetzt. Noch bis Ende Oktober sei der Einstieg ins erste Lehrjahr relativ problemlos möglich, hieß es. Auch Schulabgänger mit Hochschulreife seien ausdrücklich willkommen. Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) hatte erst vor wenigen Tagen Jugendlichen eine duale Ausbildung in Industrie und Handwerk empfohlen. Derzeit gingen im Land bis zu 47 Prozent der Schulabgänger eines jeden Jahrganges zum Studium, bundesweit sogar noch mehr, so Kurth. Sie bezeichnete dies als "ungesundes Verhältnis".

Vor allem für das Handwerk sei es ein Problem, wenn alle studieren wollten. Die duale Ausbildung brauche mehr Werbung. Sachsen wolle bis zum Jahr 2020 rund 100 Millionen Euro in die Berufs- und Studienorientierung stecken, darunter Mittel des Bundes und der EU.