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Ladenhüter Militärgrundstück

Dresden.. Früher militärisches Sperrgebiet, heute planerische Problemzonen: Große Teile der ehemaligen sowjetischen Militärliegenschaften in den neuen Ländern haben sich neun Jahre nach Abzug der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) zu Ladenhütern

entwickelt. Da Bund und Länder für die teils riesigen Areale fernab der Zentren keine Käufer finden, können explosive Munition und giftige Abfälle nur nach und nach geräumt werden.
In Thüringen sind deshalb vier Prozent der gesamten ehemaligen militärischen Flächen auf lange Sicht unverkäuflich, so Michael Adam von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG).
"Die flächendeckende Kampfmittelräumung ist nicht möglich", heißt es auch in Brandenburg. Für das Aufspüren und Beseitigen von Altlasten und Kampfmitteln hatte die Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung mbH (BBG) im vergangenen Jahr 5,8 Millionen Euro investiert. Seit 1994 haben die Sprengmeister 1533 Hektar märkischen Boden durchkämmt. Dabei fanden sie 117 Tonnen Kampfmittel. In Brandenburg wartet noch knapp die Hälfte der 100 000 Hektar Fläche auf eine Nutzung, rund 15 000 Hektar davon wohl vergeblich. Die "Sorgenkinder" seien mit Munition verseucht oder in den Wäldern gelegene Radarstationen und Bunker, sagte BBG-Geschäftsführer Joachim Klinke. Nur die innerstädtischen Filetstücke - in Brandenburg allerdings nur ein Prozent der Fläche - haben längst Interessenten gefunden und beherbergen Gewerbe, Wohnungen und Verwaltung.
In Sachsen ist die Umwandlung nach Angaben des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement am weitesten fortgeschritten. Sachsen hatte 17 600 Hektar zu verwerten, rund ein Prozent der Landesfläche. Davon haben 41 Objekte auf 419 Hektar noch keine Nutzer gefunden.
Während Sachsen, Thüringen und Brandenburg die Flächen vor rund zehn Jahren vom Bund übernommen hatten und durch eigene Gesellschaften vermarkten, ist in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern der Bund weiter für die Objekte zuständig.
Sachsen-Anhalt schlägt sich immer noch mit über 50 000 Hektar militärischer Hinterlassenschaften herum, darunter dutzende Truppenübungsplätze. Bisher seien zehn Prozent der Fläche verkauft worden, sagte Volker Warnick von der Oberfinanzdirektion. Die vergleichsweise geringe Zahl führt Warnick auf die strenge Landesgesetzgebung zurück, die hohe Maßstäbe an die Kampfmittelräumung anlege.
In Mecklenburg-Vorpommern geht es um 14 700 Hektar Liegenschaften mit 200 Objekten. "Davon haben wir etwa ein Drittel verwertet", sagte die Leiterin der Bundesvermögensabteilung bei der Oberfinanzdirektion Rostock, Hildegard Kramer. Weitere 8000 Hektar seien forstwirtschaftlich genutzt, nur rund 1500 Hektar konnten bislang nicht vermittelt werden. "Die Verseuchung war nicht ganz so groß wie erwartet." Mit der hohen Kerosinbelastung habe man jedoch immer noch zu tun. Altöle, Schmier- und Treibstoffe stellen besonders in ehemaligen Großtanklagern und Flughäfen eine erhebliche Gefahr für Böden und Grundwasser dar.
In vielen Fällen übersteige die Altlastensanierung jeglichen Wert der Immobilie, erklärte eine Expertin aus der Bundesvermögensverwaltung. Erst bei Abschluss eines Kaufvertrages würden mit dem Investor Regelungen zur Räumung getroffen. Dabei unterstütze der Bund die Sanierung unter Umständen bis zur Höhe des Kaufpreises. Damit käme zwar kein Geld in die Kasse, dafür aber Munition und Altöl aus dem Boden. (dpa/uk)