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| 02:38 Uhr

"La La Land" hebt bei den Globes ab

Großer Gewinner: "La La Land", eine Musical-Romanze mit Ryan Gosling und Emma Stone. Der Film läuft ab Donnerstag in den deutschen Kinos.
Großer Gewinner: "La La Land", eine Musical-Romanze mit Ryan Gosling und Emma Stone. Der Film läuft ab Donnerstag in den deutschen Kinos. FOTO: Dale Robinette/StudioCanal/dpa
Los Angeles. "La La Land" kann nun gelassen den Oscars entgegenblicken: Das Musical heimst bei den Golden Globes alle Preise ein, für die es nominiert war. Der deutsche Film "Toni Erdmann" geht leer aus, ist aber noch im Oscar-Rennen. Im Rampenlicht steht auch Meryl Streep, ausnahmsweise nicht als beste Schauspielerin. Barbara Munker

Knallharte Töne von Meryl Streep, sanfte Melodien von der Musical-Romanze "La La Land": Die Golden-Globe-Gala hat mit einer scharfen Kampfansage gegen Donald Trump aufgerüttelt, zugleich entführte die Trophäen-Show mit einem neuen Rekordhalter und charmanter Nostalgie in längst vergangene Hollywoodzeiten.

Eindringlich, wie man sie aus ihren besten Rollen kennt, trat Meryl Streep in der Nacht zu Montag auf die Bühne. Sie nahm den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk in Empfang. Statt einer Dankesrede hielt die Schauspielerin dann ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den künftigen US-Präsidenten Trump. "Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle", warnte die bekennende Demokratin und spielte auf eine Wahlkampfrede an, bei der Trump die Bewegungen eines körperlich behinderten Journalisten nachgeäfft hatte.

Tränen in den Augen

Fast sechs Minuten lang redete Streep ruhig und mahnend, einigen prominenten Gästen standen Tränen in den Augen. Streep betonte: Alle hier im Saal zählen zu den von Trump verunglimpften Gesellschaftsgruppen - Ausländer, Hollywood und Journalisten. Trump solle sich hüten, alle Ausländer und Außenseiter hinauszuwerfen. Dann gäbe es nichts mehr zu schauen außer Football und Kampfsport, "und das ist keine Kunst".

Trump wiederum hat die dreifache Oscar- und achtfache Golden-Globe-Gewinnerin Streep als "eine der überbewertetsten Schauspielerinnen in Hollywood" bezeichnet. Sie sei eine "Dienerin" von Trumps früherer Konkurrentin Hillary Clinton, die "in großem Stil verloren" habe, schrieb Trump am Montag auf Twitter.

Die filmische Sensation des Abends war "La La Land": Das romantische Musical legte in der Nacht zum Montag einen Höhenflug hin, wie es kein anderer Film in der 74-jährigen Globe-Geschichte geschafft hat. Das Werk von Hollywoods neuem Wunderkind, dem gerade 31 Jahre alten Regisseur und Drehbuchautor Damien Chazelle, war sieben Mal nominiert gewesen - und gewann dann auch sieben Hauptpreise, darunter in der Kategorie "beste Komödie/Musical" und mit seinen singenden und tanzenden Hauptdarstellern Emma Stone und Ryan Gosling. Das ist ein Rekord, nie zuvor wurde ein einzelner Film mit so vielen Golden Globes ausgezeichnet.

In "La La Land" tanzen sich zwei romantische Träumer, ein Jazzpianist und eine angehende Schauspielerin im heutigen Los Angeles, in die Herzen der Kinozuschauer. Es ist ein Gute-Laune-Film mit Tiefgang, der an alte Hollywood-Musicals erinnert und um den die Studios anfangs einen großen Bogen machten. Sechs Jahre kämpften die Macher darum, Geldgeber zu überzeugen. Chazelle, von seinem Erfolg sichtlich überwältigt, dankte dem Studio Lionsgate, das "Risiko" schließlich doch eingegangen zu sein.

Den Hauptpreis für das beste Filmdrama holte das Independent-Drama "Moonlight" des afroamerikanischen Regisseurs Barry Jenkins mit einer überwiegend schwarzen Besetzung. Die Afroamerikanerin Viola Davis gewann den Nebenrollen-Globe für ihren bewegenden Auftritt als loyale Ehefrau in dem 50er-Jahre-Drama "Fences" über einen schwarzen Arbeiter.

Blick auf den 24. Januar

Genau diese Auszeichnungen sind auch in Hinblick auf die Oscars bemerkenswert, immerhin gelten die Globes als wichtiges Barometer für die Academy Awards. Bei der Oscar-Show 2016 war die Entrüstung groß gewesen, nachdem die Filmakademie zum zweiten Mal hintereinander keine Schwarzen in den vier begehrten Schauspielerkategorien der weltweit wichtigsten Filmpreisverleihung nominiert hatte. Die Academy reagierte auf die Kritik und kündigte "historische Maßnahmen" an, die Vielfalt in den eigenen Reihen zu verstärken.

Ob die #OscarsSoWhite-Kontroverse in diesem Jahr ausbleibt, wird sich am 24. Januar zeigen: Dann werden die Oscar-Nominierungen verkündet. Bis dahin bleibt die Trophäensaison auch für die deutsche Regisseurin Maren Ade spannend. Ihre Vater-Tochter-Geschichte "Toni Erdmann" unterlag in der Sparte "bester nicht-englischsprachiger Film" bei den Globes nun zwar dem französischen Werk "Elle".

Ades Tragikomödie hatte es im Dezember allerdings mit acht weiteren Kandidaten in einer Vorauswahl auf die Oscar-"Shortlist" geschafft - "Elle" blieb dabei auf der Strecke. Wenn "Toni Erdmann" es nun noch auf die Nominiertenliste der fünf Finalisten schafft, dann könnte Maren Ade bei der Oscargala am 26. Februar doch noch in Hollywood siegen.

Meryl Streep wurde mit dem "Cecil B. DeMille"-Award für ihre Lebenswerk geehrt und fand klare Worte.
Meryl Streep wurde mit dem "Cecil B. DeMille"-Award für ihre Lebenswerk geehrt und fand klare Worte. FOTO: Paul Drinkwater/NBC/dpa