D as Flugzeug war aus Treibstoffmangel abgestürzt, weil eine Leitung, die zu einem Tank führte, nicht geöffnet war. Dabei wurden der 37-jährige Pilot und ein polnischer Fluggast verletzt. Der Pilot ist deswegen nun angeklagt, Menschen in Lebensgefahr gebracht zu haben, wofür das dänische Strafgesetzbuch bis zu acht Jahre Gefängnis vorsieht. Ferner muss sich der Mann wegen Betrugs verantworten: Bei einer früheren Landung auf Bornholm soll er sein Flugzeug betankt und mit einer Kreditkarte bezahlt haben, deren Vertrag er kurz zuvor gekündigt haben soll.

Der dänischen Polizei zufolge handelt es sich bei dem Piloten auch nicht um einen Mexikaner, wie zunächst berichtet wurde. Er sei vielmehr ein mit einer gefälschten mexikanischen Identität lebender Iraner, gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen Betrugs vorliege und gegen den auch in Deutschland ermittelt werde. Eine Auslieferung nach Deutschland komme jedoch erst nach Abschluss des dänischen Verfahrens in Betracht.

Dem Abschlussbericht der dänischen "Havarikommission" zufolge wurden in der abgestürzten Maschine auch zwei US-Pilotenscheine gefunden: Sie hatten dieselbe Nummer, waren aber auf unterschiedliche Personen ausgestellt. Keine der beiden Personen sei mit dem Unglückspiloten identisch gewesen. Die für die Untersuchung von Flugunfällen verantwortliche Behörde hält ferner fest, dass das aus Strausberg (Märkisch-Oderland) kommende Flugzeug seit Februar 2012 abgemeldet war. Einen ersten Bericht, wonach der Learjet bereits 2009 aus dem deutschen Register gestrichen worden sei, habe die an der Untersuchung mitarbeitende Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung mittlerweile korrigiert.

Wie die "Havarikommission" berichtet, habe das Flugzeug der Datenbank der europäischen Flugsicherung "Eurocontrol" zufolge trotz fehlender Zulassung seit April 2012 insgesamt zwölf Flüge unternommen. Elf Mal startete oder landete es dabei in Strausberg. Daneben flog die Maschine unter anderem von und nach Salzburg, Palma de Mallorca, Malmö, Kopenhagen und Rönne. Es stimme nachdenklich, dass die Flugsicherung Flüge eines nicht-registrierten Flugzeugs akzeptiert habe, heißt es in dem Bericht der "Havarikommission". Dies sei ein Sicherheitsproblem, das angegangen werden müsse.

In Brandenburg hatte das abgestürzte Flugzeug unter anderem im Potsdamer Landtag für Aufsehen gesorgt. Auf Anregung des verkehrspolitischen Sprechers der Landes-CDU, Rainer Genilke, beschäftigte sich der Verkehrsausschuss nach dem Absturz mit der Kontrollpraxis an Brandenburger Flugplätzen. Dabei war herausgekommen, dass bei den Routinekontrollen der Luftsicherheitsbehörde nur solche Flugzeuge kontrolliert werden, die sich zum Zeitpunkt der Kontrolle auf dem Vorfeld des Flugplatzes befinden. Maschinen, die in einem Hangar geparkt werden, werden nicht untersucht. Den Behörden war der abgestürzte Learjet zuvor nicht aufgefallen .