"Warum haben alle einen Vater, nur ich nicht„" An dem Tag, als seine Mutter mit dem kleinen Kuwaiter aus dem Krankenhaus heimkehrte, fand sein Onkel die Leiche von Adels Vater in einem Müllsack vor dem Haus der Familie. Die Iraker hatten ihn gefoltert und hingerichtet, weil er ein kuwaitischer Widerstandskämpfer war. Kurze Zeit später zogen die Iraker aus dem Golfemirat ab. Heute jährt sich die Befreiung Kuwaits zum zwölften Mal. In vielen Familien weckt dieses Datum aber auch traurige Erinnerungen, sie denken an ihre toten Freunde und Verwandten. Gleichzeitig erwarten die Kuwaiter angesichts des US-Truppenaufmarsches einen neuen Krieg gegen den Irak, von dem sie sich ein Ende der Herrschaft Saddam Husseins versprechen.
"Ich habe keine Angst vor einem neuen Krieg. Ich will ein Märtyrer werden wie mein Vater", versichert der kleine Adel. Sein Vater ist einer von 764 Männern und Frauen, die in dem Golfstaat als moslemische Märtyrer für die Verteidigung Kuwaits gefeiert werden. Hunderte kleiner Halbwaisen erhalten seither finanzielle, gesundheitliche und teilweise auch psychologische Unterstützung vom staatlichen Märtyrer-Büro, das der Emir nach dem Ende des Krieges eingerichtet hatte. Der Tag der Befreiung ist für viele kleine Kuwaiter, die während der Besatzungszeit ein Elternteil verloren haben, ein trauriger Feiertag. Das Märtyrer-Büro versucht ihnen zu vermitteln, dass es auch ein fröhlicher Tag ist, weil die Bewohner des Landes seither frei sind. "Wir müssen ihnen beibringen, dass Kuwait dank ihrer Väter und Mütter wieder frei ist. Sie sollen stolz sein auf ih re Eltern und sie als Helden sehen", sagt Aschwak Saleh el Aradah, Öffentlichkeitsbeauftragte des Büros.
Einer von Aradahs Kollegen erinnert an seine Cousine Asrar el Gabandi, die während der von August 1990 bis Februar 1991 andauernden irakischen Besatzung Regierungsunterlagen nach Saudi-Arabien schmuggelte und Hilfsgelder für Nahrung ins Land brachte. Ihre Arbeit habe geholfen, die kuwaitische Identität zu bewahren, mahnt Ejad el Mogahwi, denn Irak habe versucht, den Golfstaat als 19. irakische Provinz ohne eigene Geschichte darzustellen. Zudem half Asrar westlichen Ausländern, aus dem Land zu fliehen. Als der irakische Geheimdienst dahinterkam, wurde Asrar verhaftet. Ihre Leiche wurde im Januar 1991 vor dem Haus ihrer Familie abgelegt. Derartige Erfahrungen sind es, die die Wut der Kuwaiter auf Saddam Hussein am Kochen halten. "Krieg ist eine schlimme Sache, aber es ist die einzige Lösung", sagt Asrars Cousin Nassir el Gabandi. "Saddam wird eines Tages sterben, aber sollen wir so lange warten“"